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Was geschah in St. Petersburg? Drohnen treffen Ölterminal und Brücke, Pulkowo stoppt nach Moskau-Angriffen

Was geschah in St. Petersburg? Drohnen treffen Ölterminal und Brücke, Pulkowo stoppt nach Moskau-Angriffen

Oktober 18, 2026
Monika Schmidt
St. Petersburg in der Nacht zum 18. Oktober 2026: Drohnen treffen Ölterminal, VK-Rechenzentrum und Brücke, Pulkowo stoppt Flüge. Zuvor 195 Drohnen über Moskau. Alle Fakten.

In der Nacht zum Sonntag, 18. Oktober 2026, haben ukrainische Drohnen St. Petersburg und das umliegende Leningrader Gebiet in einer der nach Angaben von CNN größten Drohnenangriffswellen dieses Jahres getroffen. Gouverneur Alexander Beglow meldete einen Brand im Petersburger Ölterminal im Hafen. Behörden und Unternehmen meldeten zudem Treffer an einem Rechenzentrum des Konzerns VK, an einem Ozon-Lager im Bezirk Kolpino und an zivilen Objekten in vier Stadtbezirken. Der Flughafen Pulkowo setzte alle Starts und Landungen aus, berichtet die Redaktion von RENEWZ.de.

Der Angriff folgte unmittelbar auf einen Samstag, an dem Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin auf Telegram 195 seit Mitternacht abgeschossene Drohnen im Anflug auf die Hauptstadt meldete. Die Luftfahrtbehörde Rosawiazija ließ daraufhin die Flughäfen Domodedowo und Wnukowo schließen. Das russische Verteidigungsministerium bezifferte die Zahl der in der Nacht zum 18. Oktober über russischen Regionen abgefangenen Drohnen auf 1015. Unabhängig überprüfen lassen sich weder die russischen Abschusszahlen noch das ganze Ausmaß der Schäden.

Drohnenangriff auf St. Petersburg: Ablauf der Nacht zum 18. Oktober

Ukrainische Monitoring-Kanäle wie Exilenova+ und Supernova+ meldeten den Beginn der massiven Angriffswelle gegen 2.50 Uhr Ortszeit. Bereits zuvor hatte der Flughafen Pulkowo den Betrieb eingeschränkt. Passagiere und Personal wurden nach Angaben von Rosawiazija an sichere Orte gebracht. Leningrads Gouverneur Alexander Drosdenko nannte im Verlauf des Morgens steigende Zahlen: zunächst 95, dann 126 beziehungsweise 127 und schließlich 144 abgeschossene Drohnen über dem Gebiet. Wie viele Drohnen insgesamt gestartet wurden, ist nicht bekannt.

St. Petersburg mit rund 5,6 Millionen Einwohnern liegt etwa 856 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Damit gehört die Stadt zu den entferntesten Zielen, die ukrainische Langstreckendrohnen in diesem Krieg regelmäßig erreichen. Die Behörden verhängten in der Nacht Verkehrseinschränkungen auf einzelnen Straßen der Stadt. Im Leningrader Gebiet kam es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen.

Chronologie nach offiziellen und medialen Angaben:

Zeitpunkt (Ortszeit)EreignisQuelle
Sa., 17.10., ganztägig195 Drohnen im Anflug auf Moskau abgeschossen, Domodedowo und Wnukowo geschlossenSergei Sobjanin, Rosawiazija
Nacht zum 18.10.Pulkowo setzt Ankünfte und Abflüge ausRosawiazija
ca. 2.50 UhrBeginn der Angriffswelle auf St. Petersburg und das Leningrader GebietExilenova+, Supernova+
5.52 Uhr126 abgeschossene Drohnen über dem Leningrader GebietAlexander Drosdenko
Morgen144 abgeschossene Drohnen über dem Leningrader GebietAlexander Drosdenko
Morgen1015 abgeschossene Drohnen über russischen Regionen in der NachtRussisches Verteidigungsministerium
bis 7 Uhr15 Flüge in Pulkowo gestrichen, 25 Abflüge verspätetUNN unter Berufung auf Flughafendaten

Welche Ziele in St. Petersburg getroffen wurden

Im Zentrum der Meldungen steht das Petersburger Ölterminal im Hafen der Stadt. Es zählt zu den größten Anlagen Russlands für die Lagerung und den Export von Kraftstoffen und schlägt Erdölprodukte per Fluss, Schiene und Straße um. Der angegebene Durchsatz liegt bei 12,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Videos zeigten das Gelände in Flammen. Dasselbe Terminal war bereits bei einem nächtlichen Angriff am 4. Juli 2026 beschädigt worden.

Gemeldete Ziele und Schäden im Überblick:

  • Petersburger Ölterminal im Hafen: Brand, bestätigt von Gouverneur Alexander Beglow
  • Öldepot Rutschji (Tochter von Rosneft, Tanklager mit 114 000 Kubikmetern Kapazität): Brand laut OSINT-Kanal Exilenova+
  • Rechenzentrum von VK im Leningrader Gebiet: Angriff vom Unternehmen bestätigt, Dienste laut VK weiter verfügbar
  • Ozon-Fulfillment-Zentrum im Bezirk Kolpino (bis zu 79 000 Quadratmeter), eines der am stärksten ausgelasteten Lager des Unternehmens im Nordwesten: Angriff gemeldet
  • Schrägseilbrücke über das Korabelny-Fahrwasser: Treffer laut Videos und Exilenova+, Ausmaß unklar; britische Medien berichteten von einer Sperrung
  • Heizkraftwerk: Treffer laut britischen Medien, ohne nähere Angaben
  • Zivile Infrastruktur in den Bezirken Newski, Krasnoselski, Krasnogwardeiski und Moskowski: Brände laut Beglow
  • Leningrader Gebiet: laut TASS ein Privathaus bei Kirowsk, ein Wohnhaus in Wsewoloschsk, vier geparkte Autos in Nisino und Stromleitungen beschädigt

Zu Opfern liegen widersprüchliche Angaben vor. Beglow meldete in einer ersten Bilanz keine Verletzten. Britische Medien berichteten später unter Berufung auf den Gouverneur von einem Toten und fünf Verletzten in der Stadt. Andere Berichte nannten vier Verletzte im Leningrader Gebiet, darunter drei Kinder. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen gab es bis zum Morgen nicht.

FP-1: Was über die eingesetzte Drohne bekannt ist

Der ukrainische Drohnenhersteller Fire Point erklärte auf Telegram, für den Treffer am Ölterminal sei seine Langstreckendrohne FP-1 eingesetzt worden. Unabhängig bestätigt ist diese Angabe nicht. Die FP-1 gehört zu den zentralen Systemen, mit denen die Ukraine Ziele tief im russischen Hinterland angreift. Prototypen flogen Anfang 2024, die Serienproduktion begann im Oktober 2024.

Technische und wirtschaftliche Eckdaten der FP-1 nach öffentlich verfügbaren Angaben:

MerkmalAngabe
HerstellerFire Point, Ukraine
Reichweitebis zu 1600 Kilometer
Gefechtskopfmodular, 60 bis 120 Kilogramm, Splitter- oder Hohlladung
Stückpreisrund 55 000 US-Dollar
Produktionvon 30 auf über 100 Einheiten pro Tag bis Mitte 2025
Gesamtproduktionüber 5000 Einheiten
SerienstartOktober 2024

Bei einer Entfernung von rund 856 Kilometern zwischen der ukrainischen Grenze und St. Petersburg liegt die Stadt innerhalb der angegebenen Reichweite. Wie viele FP-1 in der Nacht zum 18. Oktober eingesetzt wurden, hat Fire Point nicht mitgeteilt.

Brücke über das Korabelny-Fahrwasser: warum sie für die Stadt wichtig ist

Die getroffene Schrägseilbrücke ist Teil des Westlichen Schnellstraßendurchmessers, einer mautpflichtigen Stadtautobahn. Die Brücke verbindet die Belyj-Insel mit der Wassiljewski-Insel und führt über das Korabelny-Fahrwasser, die Schiffszufahrt zum Petersburger Hafen. Videos, die der Kyiv Independent auswertete, zeigen offenbar einen Drohneneinschlag an einer achtspurigen Brücke. TASS erwähnte die Brücke in ihrer Schadensbilanz nicht.

Eckdaten zur Brücke und zur Trasse:

  • Länge der Brücke: rund 620 Meter
  • Hauptspannweite: 320 Meter
  • Durchfahrtshöhe für Schiffe: 35 Meter
  • Fahrspuren: acht
  • Länge des Westlichen Schnellstraßendurchmessers: 46,6 Kilometer Hauptstrecke, mit Auffahrten über 70 Kilometer
  • Vollständige Eröffnung: Dezember 2016
  • Baukosten: 210 Milliarden Rubel
  • Nutzung: über 380 000 Mautzahlungen pro Tag

Britische Medien berichteten, die Brücke sei zur Schadensprüfung gesperrt worden. Wie lange die Sperrung dauert, war am Sonntagmorgen nicht bekannt. Für den Verkehr zwischen Nord und Süd der Stadt ist die Trasse eine der wichtigsten Verbindungen.

Strom, Internet und Verkehr: Folgen für die Bevölkerung

Die Treffer an Energie- und Dateninfrastruktur hatten unmittelbare Folgen für den Alltag. Im Leningrader Gebiet waren nach Angaben von Gouverneur Drosdenko mehr als 20 000 Menschen ohne Strom. In Janino wurden zwei Transformatorenstationen vom Netz genommen, betroffen waren 50 Mehrfamilienhäuser. Das russische Exilmedium Astra berichtete über ein getroffenes Umspannwerk, Stromausfälle und niedrigen Wasserdruck. TASS warnte vor Störungen des mobilen Internets. Nutzer meldeten über Downdetector Probleme beim Zugang zu VKontakte.

Auswirkungen nach Bereichen:

BereichGemeldete FolgenQuelle
Stromüber 20 000 Menschen im Leningrader Gebiet ohne Strom, zwei Umspannstationen in Janino abgeschaltetAlexander Drosdenko
Wasserniedriger Wasserdruck nach Treffer an einem UmspannwerkAstra
Mobilfunkmögliche Störungen des mobilen InternetsTASS
OnlinediensteZugangsprobleme bei VKontakteDowndetector
StraßenverkehrVerkehrseinschränkungen auf einzelnen Straßen, Brücke über das Korabelny-Fahrwasser gesperrtLiga.net, britische Medien
LuftverkehrPulkowo gesperrt, Personal in SchutzräumenRosawiazija, Alexander Beglow
Luftraum FinnlandEinschränkungen im östlichen Finnischen MeerbusenDaily Mirror

Nach Angaben von TASS führten herabfallende Trümmerteile auf Stromleitungen zu den örtlichen Ausfällen. Laut britischen Medien waren insgesamt Zehntausende Menschen zeitweise ohne Strom. Zu den betroffenen Gebäuden zählte nach diesen Berichten auch der Komplex Dworzowy Fasad.

Flughafen Pulkowo und Moskauer Airports: dritte Großsperrung in zehn Tagen

Die Sperrung von Pulkowo reiht sich in eine Serie von Flugausfällen ein, die den russischen Luftverkehr seit Mitte Oktober prägt. Bis 7 Uhr wurden in Pulkowo 15 Flüge gestrichen und 25 Abflüge verschoben, unter anderem nach Tjumen, Sotschi, Ischewsk, Kaliningrad, Wolgograd, Moskau, Antalya und Hurghada. Britische Medien meldeten im Tagesverlauf insgesamt 327 verspätete oder annullierte Flüge. Bereits in der Nacht zum 16. Oktober hatte Rosawiazija Pulkowo ab 5.12 Uhr eingeschränkt, damals im Rahmen einer Sperrung von 22 zivilen Flughäfen im europäischen Teil Russlands und an der Wolga.

Pulkowo ist nach den Moskauer Drehkreuzen der wichtigste Flughafen Russlands. Nach Angaben des Petersburger Wirtschaftsblatts Delowoi Peterburg fertigte der Flughafen im Jahr 2025 rund 20,8 Millionen Passagiere ab. Allein auf der Strecke nach Moskau flogen 2025 rund 4 Millionen Passagiere von Pulkowo ab. Damit trifft jede Sperrung in St. Petersburg unmittelbar auch die Verbindungen in die Hauptstadt, deren Flughäfen in denselben Tagen ebenfalls wiederholt geschlossen waren.

Flughafensperrungen im Raum Moskau und St. Petersburg im Oktober 2026:

DatumBetroffene FlughäfenFolgen
13.–14. OktoberMoskauer Drehkreuzeüber 500 Flüge verspätet oder gestrichen
Nacht zum 16. OktoberScheremetjewo, Wnukowo, Domodedowo, Schukowski, dazu 18 weitere Airports inkl. Pulkowoüber 20 Umleitungen, über 200 Annullierungen, Moskau über fünf Stunden komplett gesperrt
17. OktoberMoskauer Flughafencluster, später Domodedowo und WnukowoNotstopps, Umleitungen nach Pulkowo
Nacht zum 18. OktoberPulkowo15 Ausfälle und 25 Verspätungen bis 7 Uhr, später 327 betroffene Flüge

In der Nacht zum 16. Oktober waren alle vier Moskauer Flughäfen gleichzeitig mehr als fünf Stunden geschlossen. Wnukowo und Scheremetjewo öffneten um 5.06 Uhr wieder, Domodedowo und Schukowski um 5.43 Uhr. Domodedowo kam auf eine kumulierte Sperrzeit von sieben Stunden. Am 17. Oktober wurde ein Flug der Pegasus Airlines aus Antalya nach Pulkowo umgeleitet und landete gegen 1 Uhr. Die Passagiere blieben an Bord, bis der Moskauer Luftraum wieder geöffnet war.

Die Sperrung vom 17. Oktober war nach Zählung der Kyiv Post die dritte in zehn Tagen. Nach Daten von Rosawiazija-Chef Dmitri Jadrow beförderten russische Fluggesellschaften von Mai bis August 39,5 Millionen Passagiere. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 42,6 Millionen.

Was Reisende nach St. Petersburg und Moskau jetzt beachten sollten

Für Passagiere mit Flügen von oder nach St. Petersburg und Moskau gelten in diesen Tagen besondere Bedingungen. Rosawiazija verhängt Sperrungen kurzfristig und begründet sie mit Protokollen zur Passagier- und Flugsicherheit. Feste Wiedereröffnungszeiten werden in der Regel erst nachträglich mitgeteilt. Umleitungen erfolgen teils auf weit entfernte Flughäfen.

Praktische Hinweise auf Grundlage der Erfahrungen der vergangenen Tage:

  • Flugstatus vor der Abfahrt direkt beim Flughafen Pulkowo oder bei der Fluggesellschaft prüfen
  • mit Wartezeiten an Bord rechnen: Bei Umleitungen blieben Passagiere zuletzt bis zur Öffnung des Luftraums im Flugzeug
  • bei Anschlussflügen über Moskau Puffer einplanen, da Sperrungen in Moskau und St. Petersburg zeitlich zusammenfallen können
  • auf Straßensperrungen in St. Petersburg achten, insbesondere im Bereich des Westlichen Schnellstraßendurchmessers
  • Mobilfunk und mobiles Internet können nach Angriffen gestört sein; wichtige Unterlagen offline speichern
  • offizielle Mitteilungen der Stadtverwaltung und des Gouverneurs verfolgen

Für Bürger der EU und Deutschlands gilt unabhängig von den aktuellen Angriffen die bestehende Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Russland.

195 Drohnen über Moskau: was Sobjanin meldete

Die Lage in Moskau am Samstag, 17. Oktober, bildet den Hintergrund für die Nacht in St. Petersburg. Sergei Sobjanin veröffentlichte über den Tag eine lange Serie von Telegram-Mitteilungen und meldete am Ende 195 seit Mitternacht zerstörte Drohnen im Anflug auf die Hauptstadt. Einsatzkräfte untersuchten nach seinen Angaben Trümmer an den Absturzstellen. Konkrete Ziele nannte er nicht.

Am Morgen desselben Tages hatte das Verteidigungsministerium landesweit 610 abgefangene Starrflügel-Drohnen zwischen Freitagabend und Samstagmorgen gemeldet. Sie verteilten sich auf 15 Regionen, darunter Moskau, Leningrad, Nowgorod, Twer, Brjansk, Belgorod, Kursk, Orjol, Kaluga, Woronesch, Rostow, Smolensk, Tula, Krasnodar und der Autonome Kreis der Chanten und Mansen, sowie auf die besetzte Krim.

Russische Abschussangaben im Oktober 2026 (Auswahl):

  • Nacht zum 16. Oktober: 94 Drohnen Richtung Moskau zwischen 23 Uhr und 8 Uhr (Sobjanin, zitiert von Astra)
    1. Oktober, Nacht: 610 Drohnen landesweit in 15 Regionen (Verteidigungsministerium), davon 75 im Anflug auf Moskau (Sobjanin)
    1. Oktober, bis Tagesende: 195 Drohnen im Anflug auf Moskau seit Mitternacht (Sobjanin)
  • Nacht zum 18. Oktober: 144 Drohnen über dem Leningrader Gebiet (Drosdenko)
  • Nacht zum 18. Oktober: 1015 Drohnen über russischen Regionen (Verteidigungsministerium)

Russische Flugabwehr meldet regelmäßig Drohnen im Anflug auf Moskau und das Umland. Zahlen in dieser Größenordnung innerhalb eines Tages gelten jedoch als ungewöhnlich, wie auch die katarische Nachrichtenagentur QNA in ihrer Meldung festhielt. In der Nacht zum 16. Oktober hatte es in Moskau und Umgebung Explosionen gegeben. Im Gebiet Rostow meldete Gouverneur Juri Sljussar damals Schäden an Produktions- und Lagerhallen sowie einen Verletzten im Bezirk Aksai.

Energie-Waffenruhe von Trump: politischer Kontext

Die Angriffe fallen in eine Woche, die von der sogenannten Energie-Waffenruhe geprägt war. US-Präsident Donald Trump hatte am 11. Oktober erklärt, Russland und die Ukraine hätten zugestimmt, Angriffe auf die Energieinfrastruktur der jeweils anderen Seite einzustellen. Zwei Tage zuvor hatte Washington Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend gelockert. Wolodymyr Selenskyj erklärte damals, Kiew unterstütze eine Energie-Waffenruhe und sei bereit, Garantien zu unterzeichnen. Weder Kiew noch Moskau bestätigten jedoch eine verbindliche Vereinbarung.

Nach Angaben Selenskyjs griff Russland in der Woche nach Trumps Ankündigung den ukrainischen Energie-, Öl- und Gassektor 76 Mal an. Bereits am 12. Oktober seien sechs Energieanlagen getroffen und 33 Menschen verletzt worden. In der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober setzte Russland laut Selenskyj mehr als 850 Drohnen vom Typ Shahed ein. Der Kyiv Independent bezeichnete die einseitig verkündete Waffenruhe nach dem Angriff auf St. Petersburg als gescheitert.

Zentrale Daten zur Energie-Waffenruhe:

DatumEntwicklung
9. OktoberUSA lockern vorübergehend Sanktionen gegen russischen Diesel
11. OktoberTrump verkündet Energie-Waffenruhe
12. OktoberLaut Selenskyj sechs ukrainische Energieanlagen angegriffen, 33 Verletzte
14.–15. OktoberLaut Selenskyj über 850 Shahed-Drohnen gegen die Ukraine
18. OktoberUkrainische Drohnen treffen Ölterminal in St. Petersburg

Laut Al Jazeera wurden Kiew und die europäischen Verbündeten von der Ankündigung überrascht. Selenskyj kritisierte, die Lockerung der Diesel-Sanktionen mache jahrelange westliche Bemühungen um eine wirtschaftliche Isolierung Russlands rückgängig. Britische Medien berichteten zudem über ein geplantes Geschäft zum Import russischen Diesels in die USA im Umfang von umgerechnet 3,3 Milliarden Pfund. Trump unterzeichnete nach Angaben der Daily Mail eine Verfügung, die vom Kongress angestrebte Sanktionen gegen Russland blockiert.

Stimmen aus Kiew, Moskau, Washington und Berlin

Die folgenden Aussagen stammen aus Mitteilungen, Interviews und Medienberichten der vergangenen Tage.

(Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, laut Daily Mirror): „Russland versucht, kurz vor dem Winter einen Blackout in der Ukraine herbeizuführen.“ Russland wolle Millionen Menschen ohne Strom und Heizung lassen.

(Wolodymyr Selenskyj im Interview mit der Financial Times, zitiert von der Daily Mail, zur bisherigen Zurückhaltung bei Angriffen auf Raffinerien): „Die Sperre ist aufgehoben. Wir sind fertig damit.“

(Wolodymyr Selenskyj am 15. Oktober zu den russischen Drohnenangriffen): „Es gab keine einzige Stunde, in der unser Himmel frei von ihnen war.“

(Donald Trump, US-Präsident, laut Al Jazeera): Die beiden Seiten hätten zugestimmt, „weil ich gesagt habe: Ihr stimmt zu“. Auf Nachfrage räumte er Verstöße auf beiden Seiten ein. Die ukrainischen Angriffe bezeichnete er später laut Daily Mail als „Schande“.

(Sergei Lawrow, russischer Außenminister, laut Al Jazeera): Russland werde sich nicht erneut auf Zusicherungen und Versprechen einlassen.

(Friedrich Merz, Bundeskanzler, laut Al Jazeera): „Russland wird nur unter Druck ernsthaft verhandeln.“ Die EU billigte parallel ihr umfangreichstes Sanktionspaket seit 2022 mit rund 1569 zusätzlichen Personen und Unternehmen.

(Alexander Beglow, Gouverneur von St. Petersburg, laut TASS): Die Drohnen hätten das Petersburger Ölterminal und zivile Infrastruktur in vier Stadtbezirken zum Ziel gehabt.

(VK, Technologiekonzern, in einer Mitteilung): Das Unternehmen bestätigte den Drohnenangriff auf sein Rechenzentrum im Leningrader Gebiet. Die Dienste blieben nach eigenen Angaben wie gewohnt verfügbar.

Was über frühere Angriffe auf St. Petersburg bekannt ist

St. Petersburg und das Leningrader Gebiet sind seit Monaten wiederholt Ziel ukrainischer Langstreckendrohnen, obwohl die Region weit von der Front entfernt liegt. Das Ölterminal im Hafen wurde bereits am 4. Juli getroffen. Am 24. Juli brannten Lager des Onlinehändlers Wildberries bei St. Petersburg, am 1. September wurde der Hafen Ust-Luga angegriffen. In den vergangenen Wochen meldeten ukrainische Quellen zudem mehrere Treffer an Rechenzentren von Yandex. Selenskyj hatte angekündigt, auf russische Angriffe gegen ukrainische Rechenzentren „in gleicher Weise“ zu antworten.

Angriffe auf St. Petersburg und das Leningrader Gebiet 2026 (Auswahl):

    1. Juli: Petersburger Ölterminal im Hafen beschädigt
    1. Juli: Brand in Wildberries-Lagern bei St. Petersburg
    1. September: Drohnenangriff auf den Hafen Ust-Luga
    1. Oktober: Pulkowo ab 5.12 Uhr im Rahmen landesweiter Sperrungen eingeschränkt
    1. Oktober: Ölterminal, Öldepot Rutschji, VK-Rechenzentrum, Ozon-Lager, Brücke über das Korabelny-Fahrwasser

Nach den vorliegenden Angaben wurden in der Nacht zum 18. Oktober Energie-, Logistik-, Daten- und Verkehrsinfrastruktur in einer einzigen Nacht getroffen. Das Verteidigungsministerium meldete zugleich 1015 abgefangene Drohnen. Auch die Einschränkung des Luftraums über dem östlichen Finnischen Meerbusen zeigt, dass die Angriffe auf den Nordwesten Russlands inzwischen auch die Nachbarstaaten betreffen.

Häufige Fragen zum Drohnenangriff auf St. Petersburg

Was wurde in St. Petersburg am 18. Oktober 2026 getroffen?
Nach Angaben von Gouverneur Alexander Beglow brannte das Petersburger Ölterminal im Hafen. Zudem gab es Brände an zivilen Objekten in den Bezirken Newski, Krasnoselski, Krasnogwardeiski und Moskowski. VK bestätigte einen Angriff auf sein Rechenzentrum im Leningrader Gebiet. Gemeldet wurden außerdem Treffer an einem Ozon-Lager in Kolpino, am Öldepot Rutschji und an der Brücke über das Korabelny-Fahrwasser.

Wie viele Drohnen hat Russland nach eigenen Angaben abgeschossen?
Leningrads Gouverneur Alexander Drosdenko nannte zuletzt 144 Drohnen über dem Gebiet. Das russische Verteidigungsministerium meldete für die Nacht zum 18. Oktober 1015 abgefangene Drohnen über russischen Regionen. Die Zahlen sind unabhängig nicht überprüfbar.

Gab es Tote oder Verletzte?
Die Angaben sind widersprüchlich. Beglow meldete zunächst keine Opfer. Britische Medien berichteten später unter Berufung auf ihn von einem Toten und fünf Verletzten in der Stadt, andere Berichte von vier Verletzten im Leningrader Gebiet, darunter drei Kinder.

Ist der Flughafen Pulkowo wieder geöffnet?
Pulkowo hatte in der Nacht alle Ankünfte und Abflüge ausgesetzt. Bis 7 Uhr wurden 15 Flüge gestrichen und 25 Abflüge verschoben, im Tagesverlauf waren laut britischen Medien 327 Flüge betroffen. Reisende sollten den aktuellen Status direkt beim Flughafen oder bei der Fluggesellschaft prüfen.

Welche Drohne wurde gegen das Ölterminal eingesetzt?
Der ukrainische Hersteller Fire Point erklärte, seine Langstreckendrohne FP-1 sei eingesetzt worden. Sie hat nach öffentlich verfügbaren Angaben eine Reichweite von bis zu 1600 Kilometern und einen Gefechtskopf von 60 bis 120 Kilogramm. Unabhängig bestätigt ist die Angabe nicht.

Welche Brücke wurde in St. Petersburg getroffen?
Videos zeigen offenbar einen Treffer an der Schrägseilbrücke über das Korabelny-Fahrwasser, einem Teil des mautpflichtigen Westlichen Schnellstraßendurchmessers. Die Brücke ist rund 620 Meter lang und hat acht Fahrspuren. Das Ausmaß der Schäden ist unklar.

Was meldete Moskau am 17. Oktober?
Bürgermeister Sergei Sobjanin meldete 195 zerstörte Drohnen im Anflug auf Moskau seit Mitternacht. Rosawiazija setzte den Betrieb an den Flughäfen Domodedowo und Wnukowo aus.

Warum ist das Ölterminal in St. Petersburg wichtig?
Das Terminal zählt zu den größten russischen Anlagen für Lagerung und Export von Kraftstoffen, mit einem angegebenen Durchsatz von 12,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Produkte werden per Fluss, Schiene und Straße umgeschlagen.

Gilt die von Trump verkündete Energie-Waffenruhe?
Trump verkündete sie am 11. Oktober. Weder Kiew noch Moskau bestätigten eine verbindliche Vereinbarung. Selenskyj meldete 76 russische Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor in der Woche danach.

Wie weit ist St. Petersburg von der Ukraine entfernt?
Die Stadt mit rund 5,6 Millionen Einwohnern liegt etwa 856 Kilometer nördlich der ukrainischen Grenze.

Verwendete Materialien: Telegram-Kanal von Sergei Sobjanin, Mitteilungen von Alexander Beglow und Alexander Drosdenko, Rosawiazija, Russisches Verteidigungsministerium, TASS, Astra, QNA, APA, Kyiv Independent, Kyiv Post, UNN, Liga.net, NV, United24 Media, Al Jazeera, Daily Mirror, Daily Mail, Financial Times, CNN, bne IntelliNews, Delowoi Peterburg, Fire Point, VK

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