EZB-Umbruch: Christine Lagarde plant vorzeitigen Rückzug – Wer folgt auf Madame Euro

In der Führungsetage der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich ein vorzeitiger personeller Umbruch ab. Wie aus einem Bericht der „Financial Times“ hervorgeht, plant die amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70), ihr Amt bereits vor dem regulären Ende ihrer achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 niederzulegen. Obwohl die EZB offiziell betont, es sei noch keine endgültige Entscheidung über den Zeitpunkt ihres Ausscheidens gefallen, wachsen die Spekulationen über eine politisch motivierte Nachfolgeregelung. Hintergrund sind die im April 2027 anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich, bei denen ein Erstarken des rechtsnationalen Rassemblement National unter Marine Le Pen befürchtet wird. Um eine Einflussnahme dieser Kräfte auf die Neubesetzung des Spitzenpostens zu verhindern, könnten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz eine Neubesetzung bereits im Vorfeld forcieren, berichtet die Renewz.de unter Berufung auf manager-magazin.
Strategische Weichenstellungen im Euroraum
Der potenzielle Rückzug Lagardes fällt in eine Phase, in der mehrere Schlüsselpositionen innerhalb der europäischen Finanzarchitektur neu besetzt werden müssen. Bereits im Mai dieses Jahres endet die Amtszeit von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos aus Spanien. Zudem wird der Posten des EZB-Chefökomen Philip Lane im Mai 2027 frei, während der Vertrag der deutschen Direktorin Isabel Schnabel im Dezember 2027 ausläuft. Dass eine vorzeitige Regelung möglich ist, zeigte bereits der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau, der seinen Rücktritt für Juni ankündigte, um den Weg für eine geordnete Nachfolge frei zu machen.
Ein entscheidender Faktor für Lagardes Rückzugszeitpunkt könnte der „Digitale Euro“ sein. Das Projekt gilt als ihr persönliches Vermächtnis. Da die politischen Beschlüsse zur Einführung für das Jahr 2026 erwartet werden, könnte dies den idealen Moment für einen prestigeträchtigen Abgang markieren. Wo Lagarde ihre Karriere fortsetzt, bleibt unklar; im Gespräch waren in der Vergangenheit eine Rückkehr in die französische Politik oder eine führende Rolle beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos.
Die Favoriten für die Lagarde-Nachfolge
Aktuell kristallisieren sich zwei Spitzenkandidaten aus dem europäischen Ausland heraus, die als besonders konsensfähig gelten. Pablo Hernandez de Cos aus Spanien genießt als ehemaliger Gouverneur der spanischen Zentralbank und Generaldirektor der BIZ hohes Ansehen als stabilitätsorientierter Technokrat. Er wird als Gegenentwurf zur klassischen südeuropäischen Geldpolitik wahrgenommen, da er der Inflationsbekämpfung hohe Priorität einräumt. Sein schärfster Konkurrent ist der niederländische Notenbankchef Klaas Knot, der als Vertreter der „harten“ geldpolitischen Linie Nordeuropas gilt und strikt auf Preisstabilität setzt.

| Kandidat | Herkunft | Aktuelle Position | Profil |
| Pablo Hernandez de Cos | Spanien | Generaldirektor der BIZ | Technokratisch, stabilitätsorientiert |
| Klaas Knot | Niederlande | Chef der De Nederlandsche Bank | Restriktiv, Fokus auf Preisstabilität |
| Isabel Schnabel | Deutschland | EZB-Direktoriumsmitglied | Expertin für Geldpolitik, restriktiv |
| Joachim Nagel | Deutschland | Präsident der Bundesbank | Diplomatisch, Befürworter von Eurobonds |
Deutsche Ambitionen und das politische Gesamtpaket
Aus Deutschland werden Isabel Schnabel und Bundesbankpräsident Joachim Nagel als potenzielle Nachfolger gehandelt. Schnabel ist bereits tief in die EZB-Strukturen integriert, während Nagel zuletzt mit einem Plädoyer für gemeinsame europäische Schulden (Eurobonds) überraschte – eine Position, die ihn für die französische Regierung attraktiver machen könnte. Dennoch gilt eine deutsche Besetzung der EZB-Spitze als politisch schwierig, solange Ursula von der Leyen die EU-Kommission leitet. Sollte von der Leyen jedoch 2027 als Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Berlin wechseln, könnten sich für deutsche Kandidaten in Frankfurt neue Spielräume eröffnen.
Sollte es zu einem vorzeitigen Wechsel kommen, ist zu erwarten, dass die Personalentscheidung erneut Teil eines umfassenden Pakets zwischen den führenden EU-Regierungen sein wird, ähnlich wie bei der Aufteilung der Posten zwischen Lagarde und von der Leyen im Jahr 2019.
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