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Klitschko im DW-Interview: „Die Ukraine wird respektiert, wenn sie stark ist“

Klitschko im DW-Interview: „Die Ukraine wird respektiert, wenn sie stark ist“

Juli 17, 2025
Monika Schmidt
Kiews Bürgermeister Klitschko erklärt in einem DW-Interview, warum militärische und wirtschaftliche Stärke der Schlüssel zum Respekt und zur internationalen Hilfe ist.

Die Ukraine müsse nicht nur an der Front bestehen, sondern auch wirtschaftlich überleben – das bringe Respekt und sichere die Unterstützung internationaler Partner. Das erklärte der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, in einem Interview mit der Deutschen Welle. Über das Interview berichtet Rеnewz.de unter Berufung auf DW.

„Man respektiert die Starken. Wir müssen sowohl an der Frontlinie als auch wirtschaftlich stark sein. Wir sind stark, wenn wir Partner an unserer Seite haben. Die Unterstützung durch Partner ist der Schlüssel zur Wiederherstellung des Friedens“, sagte Klitschko.

Er betonte, dass die regelmäßigen Raketenangriffe schwere Schäden an der zivilen Infrastruktur der Hauptstadt verursachen.
„Ich habe mir immer wieder dieselbe Frage gestellt: Was ist das Ziel, eine friedliche Stadt anzugreifen und friedliche Menschen zu töten? Die Antwort ist eindeutig – Panik unter der Bevölkerung zu verbreiten, Depression und Angst zu erzeugen, damit die Menschen ihre Koffer packen und irgendwohin nach Europa fliehen.“

Zu den größten Herausforderungen im Hinterland zählt er die Zerstörung der Logistik, den Mangel an Arbeitskräften und Ressourcen.
„Die Wirtschaft funktioniert nicht, die Logistik ist zerstört, es fehlen Menschen für Wiederaufbauarbeiten, weil Hunderttausende mobilisiert sind und das Land verteidigen.“

Klitschko bedankte sich bei den westlichen Verbündeten für ihre Hilfe, insbesondere Deutschland, wies jedoch darauf hin, dass die Ukraine weiterhin dringend moderne Luftabwehrsysteme benötige.
„Ohne moderne Luftabwehr gäbe es deutlich mehr Zerstörung und Opfer. Aber die vorhandenen Systeme reichen noch nicht aus. Raketen fliegen, Drohnen fliegen – die Angriffe dauern fast jede Nacht an.“

Kritisch äußerte sich Klitschko zur jüngsten Aussage von US-Präsident Donald Trump, der Russland 50 Tage für eine Friedenslösung eingeräumt hatte.
„Ich verstehe nicht, warum 50 Tage? In diesen 50 Tagen könnten die Russen noch mehr Zivilisten töten. Ich bin überzeugt, dass harte Sanktionen notwendig wären – das hätte eine abschreckende Wirkung.“

Gleichzeitig sehe er diese Frist auch als Gelegenheit:
„Wir hoffen, dass wir in diesen 50 Tagen noch mehr moderne Waffen bekommen, die uns fehlen. Jeder Krieg bedeutet: Geld, Waffen, menschlicher Faktor – und wir danken unseren Partnern dafür.“

Besonders hob Klitschko die Rolle Deutschlands bei der Luftverteidigung hervor:
„Ich möchte Deutschland besonders danken. Wir spüren große Unterstützung – vor allem beim Thema Luftabwehr. Sie rettet viele Leben in unserer Stadt und wehrt massive Angriffe mit bis zu 500 Drohnen, ballistischen und Marschflugkörpern ab. Ohne diese modernen Systeme wären die Folgen weitaus schlimmer.“

Auf die Frage, wie viele Patriot-Systeme derzeit in Kiew stationiert seien, antwortete Klitschko ausweichend:
„Ich möchte das nicht im Detail kommentieren. ‚Genug‘ können wir erst sagen, wenn der Krieg vorbei ist. Jeden Tag erleben wir massive und kombinierte Angriffe. Luftabwehr ist eine der größten Herausforderungen – nicht nur für die Hauptstadt, sondern für jede Stadt in der Ukraine.“

Auch zum Wiederaufbau äußerte sich Klitschko klar:
„Wir zählen alles genau. Über 1.600 Wohnhäuser wurden zerstört, mehr als 300 Zivilisten kamen ums Leben, insgesamt sind rund 3.000 Gebäude betroffen. Die Schäden ziehen sich durch alle Stadtviertel. Ziel ist es, kritische Infrastruktur zu zerstören und die Menschen ohne Strom, Wasser und Wärme zurückzulassen.“

„Die Antwort ist klar: Russland will Panik säen, die Menschen in Angst und Depression stürzen, damit sie fliehen und dem Aggressor das Land überlassen.“

Der Wiederaufbau erfolge mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt sowie aus staatlicher Unterstützung.
„Wenn Gebäude unbewohnbar sind, übernehmen wir die Mietkosten. Wir helfen beim Wiederaufbau von Schulen und Kindergärten – über 200 Bildungseinrichtungen wurden zerstört. Kinder müssen lernen, aber der Schutz bei Luftalarm hat Priorität – daher bauen wir Schutzräume und führen Unterricht nur dort durch, wo Bunker vorhanden sind.“

Zum Schluss sagte Klitschko:
„Die Wirtschaft steht still, die Logistik ist unterbrochen, uns fehlen Menschen für den Wiederaufbau. Die größte Herausforderung bleibt: das Leben in der Stadt aufrechtzuerhalten.“

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Foto @vitaliy_klitschko

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