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„Raumschiff Berlin“ öffnet erneut: ICC Berlin lädt im September zu 49h ein

„Raumschiff Berlin“ öffnet erneut: ICC Berlin lädt im September zu 49h ein

Juli 15, 2025
Monika Schmidt
ICC Berlin öffnet vom 12.–14. September 2025 im Rahmen des Tags des offenen Denkmals für 49 Stunden. Eintritt frei – Tickets online über visitberlin.de. Alles zur Besichtigung, zum Programm und zur Zukunft des Gebäudes.

Das legendäre Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin wird vom 12. bis 14. September 2025 im Rahmen des Tags des offenen Denkmals für Besucherinnen und Besucher geöffnet – und das für insgesamt 49 Stunden. Über ein Jahrzehnt stand das architektonische Wahrzeichen im Berliner Westend größtenteils leer. Nun bietet sich erneut die seltene Gelegenheit, das futuristische Bauwerk von innen zu erleben – kostenfrei, aber nur mit vorab gebuchtem Ticket. Darüber berichtet RENEWZ unter Berufung auf Informationen der Berliner Senatsverwaltung und rbb24.

Kostenlose Tickets ab 16. Juli – Online-Buchung erforderlich

Die Besichtigung des ICC ist nur mit einem zuvor gebuchten Ticket möglich. Der Eintritt selbst ist kostenlos. Der Buchungsstart für Tickets ist Mittwoch, der 16. Juli 2025 um 10:00 Uhr. Interessierte können die Plätze über die offizielle Website von Visit Berlin reservieren: www.visitberlin.de/de/49h-icc

Zum Programm gehören nicht nur klassische Architekturführungen durch die spektakulären Räume des ICC, sondern auch ein kuratiertes Rahmenprogramm mit Kunstinstallationen, Lichtprojektionen und Musik-Performances. Die Aktion läuft insgesamt 49 Stunden nonstop – eine Stunde länger als bei der Premiere im vergangenen Jahr.

Das ICC: Zwischen Leerstand und Zukunftsvision

Das 1979 eröffnete und 2014 offiziell stillgelegte Kongresszentrum war einst Symbol für den Aufbruch des westlichen Berlins. Seit 2019 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Zahlreiche Nutzungsideen – von einem Technologiezentrum bis hin zu einer kulturellen Begegnungsstätte – wurden seither diskutiert, aber bislang nicht umgesetzt.

In den Jahren 2021 und 2022 wurde das ICC erstmals temporär für Kulturveranstaltungen genutzt. 2023 folgte dann die erste große öffentliche Öffnung unter dem Titel „48h ICC“, die über 30.000 Besucherinnen und Besucher anzog. Aufgrund des enormen Interesses wird die diesjährige Öffnung unter dem neuen Namen „49h ICC“ durchgeführt und zeitlich ausgedehnt.

Mehr als 300 Events am Denkmaltag in Berlin

Die Besichtigung des ICC ist Teil des Berliner Programms zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals, der am 14. September 2025 stattfindet. In ganz Berlin werden an diesem Wochenende über 300 weitere Orte und Denkmäler für die Öffentlichkeit geöffnet sein – vom ehemaligen Gaswerk in Prenzlauer Berg bis zur versteckten Gründerzeitvilla in Steglitz.

Giffey: „Ein Stück Stadtgeschichte zum Anfassen“

„Das ICC ist eine Berliner Ikone: Ich freue mich daher sehr, dass wir es erneut für ein Wochenende öffnen. Mit '49h ICC' wird ein beeindruckendes Stück Berliner Architektur- und Stadtgeschichte erlebbar gemacht“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey bei der offiziellen Ankündigung.

Zukunft weiterhin unklar – Investor gesucht

Auch 45 Jahre nach seiner Eröffnung bleibt die langfristige Perspektive des ICC offen. Das laufende Konzeptverfahren für eine Nachnutzung wurde aufgrund der Komplexität des Projekts verlängert. Die Stadt Berlin sucht weiterhin nach einem starken Investor, der das Gebäude wirtschaftlich tragfähig in die Zukunft führen kann – ohne die denkmalgeschützte Substanz zu gefährden.

Hintergrund: Das ICC – Berliner Utopie aus Aluminium und Beton

Als das Internationale Congress Centrum (ICC) 1979 eröffnet wurde, war es nicht nur ein Bauwerk – es war ein politisches Statement. Entworfen von dem Berliner Architektenpaar Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, das später auch den sogenannten „Mäusebunker“ schuf, sollte das ICC den technologischen Optimismus der Bundesrepublik architektonisch verkörpern. Der Bau dauerte vier Jahre, verschlang umgerechnet fast eine Milliarde D-Mark, und galt mit 320 Metern Länge, 80 Metern Breite und einer Gesamtnutzfläche von 200.000 Quadratmetern als eines der größten und modernsten Kongresszentren Europas.

Die Idee war klar: West-Berlin – isoliert, politisch umkämpft, aber ambitioniert – sollte mit einem visionären Bauwerk internationale Kongresse, wissenschaftliche Symposien und politische Großveranstaltungen anziehen. Und das gelang. In den 1980er- und 1990er-Jahren war das ICC Bühne für medizinische Weltkongresse, EU-Gipfel, Bundesparteitage(darunter CDU und SPD), Fernsehgalas wie den Bambi oder Echo sowie unzählige Fachmessen parallel zur Berliner Messe.

Architektonisch war das ICC seiner Zeit weit voraus. Die Hülle aus silbergrauem Aluminium, die mit Tunneln durchzogene Struktur, die klar getrennten Verkehrsflüsse für Besucher:innen, Personal und Waren – all das folgte einem kybernetisch gedachten Funktionsprinzip. Der Spitzname „Raumschiff Berlin“ war keine Übertreibung, sondern Spiegel eines Zeitgeists, der an Fortschritt durch Planung glaubte. Im Inneren: über 80 modular nutzbare Säle, darunter ein Plenarsaal für über 5.000 Personen, vernetzt mit Technikschächten, eingebetteter Elektronik und einem internen Nachrichtensystem – ein Vorgriff auf smarte Gebäude, lange bevor das Wort existierte.

Doch der Glanz verging. Nach der deutschen Einheit verlor das ICC an Bedeutung, neue Konkurrenz entstand – in Leipzig, Frankfurt, später international. 2014 wurde es aus brandschutztechnischen und wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Seitdem steht es leer, verursacht Unterhaltskosten von mehreren Millionen Euro jährlich, während der Sanierungsbedarf auf rund 200 Millionen Euro geschätzt wird. 2019 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, doch ein tragfähiges Konzept für die Zukunft fehlt weiterhin. Zahlreiche Ideen – als Hightech-Zentrum, als Kreativcampus, als Ort für urbane Forschung – wurden diskutiert, aber nicht umgesetzt. Der politische Wille ist da, doch ein Investor, der die Vision finanziell tragen kann, bleibt bislang aus.

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