Watzke: Kann er nach Compliance-Fragen BVB-Präsident werden

Hans-Joachim Watzke steht vor einem tiefgreifenden Wechsel seiner Rolle beim BV Borussia 09 Dortmund e.V., einer Entwicklung, die von öffentlichen Diskussionen und internen Turbulenzen begleitet wird. Nach rund zwei Jahrzehnten als Geschäftsführer wird Watzke am kommenden Sonntag, dem 23. November 2025, voraussichtlich zum letzten Mal in dieser Funktion vor die Mitgliederversammlung treten, bevor er den Posten des CEO der ausgegliederten Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) niederlegt. Dieser geplante Rückzug dient als formale Voraussetzung, um im Anschluss die Wahl zum neuen Präsidenten des eingetragenen Vereins anzutreten und damit Reinhold Lunow abzulösen. Der Wechsel an die Spitze des Vereins erfolgt jedoch nicht geräuschlos: Kritische Stimmen und Whistleblower haben der Sportschau und dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vertrauliche Dokumente zugespielt, die Fragen zu Charterflügen und dem Umgang mit internen Angelegenheiten aufwerfen.Wie die Redaktion Renewz.de berichtet.
Die Machtzentrale Watzke: Ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte
Hans-Joachim Watzke übernahm im Februar 2005 das Amt des Geschäftsführers in einer Stunde, in der der Borussia Dortmund buchstäblich vor dem finanziellen Abgrund stand. Seine Amtszeit ist untrennbar mit der erfolgreichen Sanierung und der Etablierung des Vereins als feste Größe im europäischen Spitzenfußball verbunden, eine Leistung, die ihm unbestreitbaren Respekt einbrachte. Der sportlich wohl bedeutendste Schachzug seiner Ära war die Verpflichtung des Trainers Jürgen Klopp, die eine goldene Ära mit mehreren nationalen Titeln einleitete. In den folgenden Jahren festigte Watzke seine Stellung, baute ein weit verzweigtes Netzwerk auf, dessen Einfluss heute bis in höchste politische Kreise hinein, namentlich das Bundeskanzleramt, reicht. Innerhalb des Klubs schuf er eine bemerkenswerte Machtstruktur, in der öffentliche Kritik am "Boss" kaum toleriert oder geäußert wird, was zu einem Klima der Loyalität oder der stillen Unterwerfung führte. Der nun geplante Wechsel ins Präsidentenamt, nach dem Rückzug des zuvor kandidierenden Reinhold Lunow, markiert den Versuch, diesen immensen Einfluss langfristig und institutionell zu sichern, wenn auch unter einer neuen formalen Bezeichnung.
Kontroverse um Compliance und die Charterflüge
Die glanzvolle Bilanz von Watzkes Amtszeit wird in den letzten Jahren zunehmend von kritischen Fragen zu Compliance-Standards und der Nutzung von Vereinsressourcen überschattet. Brisant ist insbesondere der Umgang mit den Charterflügen, deren Rechnungen und Abrechnungsmodalitäten im Fokus der Recherchen von Sportschau und Der Spiegel stehen. Bereits am 14. August 2025 wurde über diese Vorgänge berichtet, wobei die Compliance-Regularien des Vereins und die mangelnde Transparenz bei der Aufarbeitung thematisiert wurden. Die Kritiker werfen Watzke vor, die Grenze zwischen privaten und dienstlichen Ausgaben verwischt zu haben, und hinterfragen die Angemessenheit der kostspieligen Reisen vor dem Hintergrund der Vereinstraditionen. Obwohl Watzke als Retter des Klubs gilt, betonen die Whistleblower, dass gerade in seiner mächtigen Position höchste Sorgfalt und absolute Transparenz gegenüber den Mitgliedern und Aktionären geboten wären. Die Aufarbeitung dieser Vorwürfe wird maßgeblich bestimmen, wie Watzkes Vermächtnis in die Vereinsgeschichte eingehen wird.
Der Umgang mit internen Affären und die Rolle der Whistleblower
Besondere Brisanz erhält die aktuelle Berichterstattung durch die Enthüllungen bezüglich des Umgangs des Klubs mit einem ehemaligen Top-Funktionär. Gegen diesen Mitarbeiter ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Delikten aus dem Sexualstrafrecht, und die internen Abläufe bei der Freistellung und Kommunikation dieser schweren Vorwürfe werfen Schatten auf das Management. Die Whistleblower, die diese internen Dokumente den Medien zuspielten, zeigen damit einen erheblichen Vertrauensverlust innerhalb der Organisation auf. Sie kritisieren nicht nur die mangelnde Offenheit nach außen, sondern auch die interne Kultur der Machtkonzentration, die eine kritische Auseinandersetzung mit Problemen erschwert habe. Die Bereitschaft von Insidern, unter Inkaufnahme persönlicher Risiken vertrauliche Unterlagen an die Presse weiterzugeben, deutet auf einen tief sitzenden Groll und eine Unzufriedenheit hin, die weit über finanzielle Fragen hinausgehen.

Das Zuspielen brisanter Dokumente an die Medien hat folgende Aspekte beleuchtet:
- Finanzielle Fragen: Rechnungen für teure, potenziell nicht ausreichend deklarierte Charterflüge.
- Personalpolitische Defizite: Der Umgang des Klubs mit dem ehemaligen Top-Funktionär, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt.
- Compliance-Lücken: Mangelnde Transparenz bei der Aufarbeitung der Vorwürfe und internen Untersuchungen.
- Machtstruktur: Die interne Kultur, die öffentliche Kritik am Geschäftsführer stark unterbindet oder sanktioniert.
Diese Enthüllungen stellen die Führungsriege des BVB, einschließlich Watzkes, vor die Herausforderung, die internen Compliance-Strukturen und die Aufsicht neu zu bewerten.
Der geplante Wechsel ins Präsidentenamt und die Mitgliederversammlung
Am Sonntag, dem 23. November 2025, findet die Mitgliederversammlung des BV Borussia 09 Dortmund e.V. statt, die in diesem Jahr erstmals in hybrider Form durchgeführt wird. Dieser Tag ist entscheidend für die zukünftige Ausrichtung des Klubs. Formal tritt Hans-Joachim Watzke zunächst als CEO der KGaA zurück, um die satzungsgemäße Voraussetzung für das Präsidentenamt des eingetragenen Vereins zu erfüllen. Die Wahl zum Präsidenten gilt als formaler Akt, da der ursprünglich zur Wiederwahl stehende Amtsinhaber Reinhold Lunow seine Kandidatur überraschend zurückgezogen hat. Diese unverhoffte Vakanz an der Spitze des Vereins ebnete den Weg für Watzkes Wechsel, der somit eine strategisch wichtige Position innerhalb der Vereinsstruktur sichert und seine informelle Macht zementiert. Die Wahl erfolgt durch die Mitgliederversammlung, die nun die Enthüllungen der letzten Tage in ihre Entscheidung einbeziehen muss.
Die Rolle der KGaA und des eingetragenen Vereins
Der BV Borussia 09 Dortmund e.V. (der eingetragene Verein) ist der Hauptaktionär der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, die das operative Geschäft und die Profi-Mannschaft führt. Das Präsidentenamt des e.V. sichert somit die oberste Kontrollfunktion und die Wahrung der 50+1-Regel.
Der Rückzug von Reinhold Lunow
Der Rückzug des amtierenden Präsidenten Reinhold Lunow, der zunächst seine erneute Kandidatur angekündigt hatte, sorgte im Klub für Irritationen und Gerüchte. Sein plötzliches Ausscheiden wird von Kritikern als weiterer Beleg für die unantastbare Machtstellung Watzkes interpretiert.
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