Ukraine 2026 im Krieg: Zivile Opfer, Energieprobleme, Migration und internationale Hilfe im Überblick

Die umfassende Invasion Russlands in die Ukraine dauert nun bereits über vier Jahre an. Seit dem 24. Februar 2022 hat die Ukraine tiefgreifende Veränderungen in allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demografischen Bereichen erlebt. Bis zum 12. Januar 2026 vergehen 1.418 Tage Krieg, Zehntausende Soldaten sind gefallen, über 15.000 zivile Todesfälle wurden bestätigt, Millionen Menschen wurden vertrieben, und die Kosten für den Wiederaufbau steigen auf Hunderte Milliarden Dollar. Diese Zahlen zeigen die Dimension der humanitären, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Gleichzeitig stehen die Ukraine vor einem drastischen Energiemangel, reduzierter internationaler Unterstützung durch die USA und einer Rekordabhängigkeit von der EU-Hilfe. Darüber berichtet Renewz.de unter Berufung auf Ukraine 7 Days.
Dauer des Krieges: Historischer Vergleich
Bis zum 12. Januar 2026 sind 1.418 Tage seit Beginn der groß angelegten Aggression Russlands gegen die Ukraine vergangen. Ein Vergleich mit historischen Kriegen verdeutlicht die Dimension:
| Krieg | Dauer (Tage) |
|---|---|
| Russland-Ukraine Krieg (seit 24.02.2022) | 1.418 |
| Erster Weltkrieg | 1.567 |
| Zweiter Weltkrieg | 2.194 |
| Sowjetische Perspektive: 1941–1945 ("Großer Vaterländischer Krieg") | 1.418 |
Die aktuelle Invasion hat bereits die Dauer der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs in der sowjetischen Geschichtsschreibung übertroffen.
Militärische Verluste: Offizielle und alternative Schätzungen
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte Anfang Februar 2026 in einem Interview mit France 2:
"In der Ukraine beträgt die offiziell bestätigte Zahl der gefallenen Soldaten – Berufssoldaten und Wehrpflichtige – 55.000."
Vor einem Jahr lag diese Zahl noch bei 45.100 Gefallenen und rund 390.000 Verwundeten. Verschiedene Quellen liefern unterschiedliche Zahlen:
| Quelle | Schätzung |
|---|---|
| Offizielle Präsidentenerklärung | 55.000 Gefallene |
| UAlosses (Namenskatalog) | 92.330 Gefallene |
| CSIS (gesamt) | ca. 600.000 (getötet, verletzt, vermisst) |
| Schätzung russischer Verluste (CSIS) | fast 1,2 Mio |
Wichtige Hinweise:
- Offizielle Daten über militärische Verluste sind teilweise geheim.
- Veröffentlichungen erfolgen überwiegend als politische Statements.
- Unterschiedliche Berechnungsmethoden führen zu stark abweichenden Zahlen.
Zivile Opfer: Anstieg im Jahr 2025
Laut Angaben der UNO starben 2025 insgesamt 2.514 Zivilisten. Seit 2022 wurden mindestens 15.172 zivile Todesfälle bestätigt. Die UNO betont, dass die realen Zahlen deutlich höher sein könnten:
- Vollständige Daten aus besetzten Gebieten fehlen.
- Mariupol-Daten sind unvollständig.
- Viele Todesfälle sind nicht dokumentiert.
63 % der bestätigten Opfer stammen aus Frontnähe.
Details für 2025:
- 577 zivile Todesfälle durch Drohnenangriffe (120 % mehr als 2024).
- Mehr als ein Drittel der Todesfälle durch Fernwaffen verursacht.
Daniël Belle, Leiter der UN-Mission, erläuterte:
"Der Anstieg ist nicht nur auf die Intensivierung der Kämpfe an der Frontlinie zurückzuführen, sondern auch auf die verstärkte Nutzung von Fernwaffen."
Härteste Kriegswinter: Energiekrise
Der Winter 2025–2026 gilt als der bisher schwierigste während des laufenden Krieges. Russische Angriffe richteten sich gezielt auf Elektrizitätswerke, Wärmeversorgungsanlagen und Gasförderungen. In den kältesten Perioden Ende Januar waren Tausende Haushalte in Kiew ohne Strom und Wärme. Laut Stadtverwaltung betraf dies etwa 6.000 Mehrfamilienhäuser, viele davon bereits nach vorherigen Angriffen erneut angeschlossen.
Präsident Selenskyj erklärte, dass alle ukrainischen Kraftwerke beschädigt wurden, was einen systemischen Leistungsdefizit erzeugte und Notabschaltungen erforderte. Der Energiemangel war ein entscheidender Grund für erneute Migration:
- 78 % der Menschen, die über einen Wegzug nachdachten, nannten Stromausfälle als Hauptgrund.
- 57 % nannten fehlende Wärme als Grund.
Emy Poup, Direktorin der Internationalen Organisation für Migration, betonte:
"Nach vier Jahren Krieg reicht allein die Resilienz nicht aus, um Familien eine weitere Winterperiode mit Stromausfällen und Frost zu überstehen."

Kennzahlen der Energiekrise 2025–2026:
| Indikator | Daten |
|---|---|
| Kiew: Haushalte ohne Strom/Wärme (Peak) | ca. 6.000 |
| Anteil der Migranten: Stromausfall als Grund | 78 % |
| Anteil der Migranten: fehlende Wärme | 57 % |
| Zustand der Energieerzeugung | Alle Kraftwerke beschädigt (laut Präsident) |
Wirtschaft im Krieg: BIP, Inflation, Wiederaufbau
Die Energiekrise beeinflusste die makroökonomischen Indikatoren erheblich. Nach Schätzungen der Nationalbank der Ukraine betrug das reale BIP-Wachstum 2025 1,8 %. Ohne Energieengpässe hätte das Wachstum bei 2,2 % liegen können.
Im Januar 2026 sank das BIP im Jahresvergleich um 1,4 %, verursacht durch massierte Angriffe auf die Energieinfrastruktur, die Industrie, Transport und Dienstleistungen beeinträchtigten.
Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau werden auf 588 Mrd. USD geschätzt, davon über 90 Mrd. USD allein für die Energieinfrastruktur in den nächsten zehn Jahren.
Makroökonomische Kennzahlen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Reales BIP-Wachstum 2025 | 1,8 % |
| Potenzielles Wachstum ohne Energiekrise | 2,2 % |
| BIP Januar 2026 (r/r) | -1,4 % |
| Gesamtbedarf Wiederaufbau | 588 Mrd. USD |
| Energieinfrastruktur (10 Jahre) | 90+ Mrd. USD |
Hauptwirtschaftliche Herausforderungen:
- Steigende Inflation durch teurere Energie.
- Höhere Produktionskosten für Unternehmen.
- Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit.
- Budgetabhängigkeit von externer Finanzierung.
Migration: Ausmaß der Vertreibung
Über 10 Mio. Ukrainer mussten seit 2022 ihre Wohnungen verlassen:
- Intern vertriebene Personen: 3,7 Mio.
- Im Ausland: 5,9 Mio.
- Rückkehrer (≥3 Monate in der Ukraine): 1,4 Mio.
Die Nationalbank prognostiziert für 2026 einen Nettoabwanderung von ca. 200.000 Personen. Massenhafte Rückkehr wird frühestens 2027 erwartet, bis 2028 könnten bis zu 500.000 Rückkehrer registriert werden.
61 % der Flüchtlinge wollen zurückkehren, doch die Zahl der Zweifelnden steigt langsam.
Migration nach EU-Ländern (Ende 2025, Eurostat):
| Land | Anzahl |
|---|---|
| Deutschland | 1,25 Mio |
| Polen | 969.000 |
| Tschechien | 393.000 |
Demografische Struktur der Flüchtlinge:
- Frauen (Erwachsene): 43,6 %
- Kinder: 30,5 %
- Männer (Erwachsene): 25,9 %
Tschechien und Polen zeigen die höchsten Aufnahmeraten pro tausend Einwohner.
Probleme der Integration von Binnenvertriebenen
Offiziell sind 4,62 Mio. Binnenvertriebene registriert. Die meisten leben in Dnipropetrowsk, Charkiw und Kiew.
Hauptprobleme der Integration:
| Indikator | Daten |
|---|---|
| Zerstörtes oder besetztes Wohnraum | 62 % |
| Psychologische Belastung | 42 % |
| Integration geplant | 35 % |
| Rückkehr nach Kriegsende geplant | 16 % |
Wohnraum bleibt der zentrale Hemmfaktor für die soziale Stabilität der Binnenvertriebenen.
Internationale Hilfe: Verschiebung der Finanzbalance
2025 erhielt die Ukraine 52,4 Mrd. USD externe Finanzierung. Seit Kriegsbeginn beträgt die Gesamtbudgethilfe fast 168 Mrd. USD.
Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus sank die US-Hilfe um 99 %. Deutschland wurde größter militärischer Geber mit 9 Mrd. Euro 2025. Die EU übernimmt faktisch die zentrale Rolle der Budgetfinanzierung.
Finanzkennzahlen:
| Kennzahl | Volumen |
|---|---|
| Externe Finanzierung 2025 | 52,4 Mrd. USD |
| Gesamtbudgethilfe 2022–2025 | ~168 Mrd. USD |
| Militärhilfe Deutschland 2025 | 9 Mrd. EUR |
Gesellschaftliche Stimmung: Resilienz und Erwartungen
Laut dem Kiewer Institut für Soziologie:
- 65 % der Ukrainer sind bereit, den Krieg so lange auszuhalten, wie nötig.
- 20 % erwarten ein baldiges Kriegsende.
- 88 % glauben, dass Angriffe auf die Energieinfrastruktur Kapitulation erzwingen sollen.
- 66 % erwarten, dass die Ukraine in 10 Jahren EU-Mitglied wird.
Anton Grushetsky, Exekutivdirektor KIS, ergänzt:
"Es gibt keinen Anstieg der Unterstützung für 'Frieden um jeden Preis'."
Psychologin Kateryna Kudrynska:
"Wir sind psychisch als Nation stark erschöpft."
Schlussfolgerungen aus den Zahlen
| Aspekt | Tendenz |
|---|---|
| Kriegsdauer | Übertrifft ursprüngliche Erwartungen |
| Energie | Systemische Verwundbarkeit |
| Wirtschaft | Langsames Wachstum, Abhängigkeit von Hilfe |
| Migration | Langfristiges demografisches Risiko |
| Gesellschaft | Hohe Resilienz trotz Ermüdung |
Diese Zahlen zeigen die tiefgreifenden Transformationen, die die Ukraine in vier Jahren umfassender Kriegsführung erfahren hat. Sie spiegeln nicht nur Verluste wider, sondern auch strukturelle Veränderungen in Wirtschaft, Demografie und gesellschaftlicher Einstellung. Der Krieg in Zahlen verdeutlicht die menschlichen Kosten und die Notwendigkeit des Wiederaufbaus, während die Gesellschaft zugleich Resilienz und Willen zeigt, die Ukraine in die europäische Gemeinschaft zu integrieren.
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