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Was sind Reborn-Puppen und warum kaufen Erwachsene Babypuppen

Was sind Reborn-Puppen und warum kaufen Erwachsene Babypuppen

August 5, 2025
Monika Schmidt
Was sind Reborn-Puppen – und warum fertigen Künstlerinnen wie Petra Lechner oder Christina Carmen lebensechte Babys für Sammler, Trauernde und Hobbys?

Reborn-Puppen sind mehr als ein Hobby – sie sind ein stilles Phänomen zwischen Kunst, Erinnerung und emotionaler Nähe. Was wie ein echtes Baby aussieht, ist in Wirklichkeit ein handgefertigtes Einzelstück aus Vinyl oder Silikon: bemalt in Dutzenden Farbschichten, mit echtem Gewicht im Arm, duftend nach Babypuder, versehen mit Wimpern, Adern, Wärme. Reborns atmen nicht – und wirken doch lebendig. Sie berühren Sammler, Trauernde, Pflegekräfte und Influencer gleichermaßen.

In Deutschland zeigen sich Persönlichkeiten wie Schauspielerin Saskia Vester, die Künstlerin Christina Carmen oder Bloggerin Laura Gabriele öffentlich mit ihren Reborns – als Ausdruck von Nähe, Heilung oder auch ästhetischer Faszination. Auch international wächst die Szene: Die britische TV-Persönlichkeit Katie Price, US-Model Courtney Stodden oder TikTok-Stars wie Kaitlyn Dobrow inszenieren ihr Leben mit Reborn-Puppen – zwischen Instagram-Routine und echter Verbundenheit.

Wie aus einem Hobby ein emotionales Kulturobjekt geworden ist – darüber berichtet Renewz.de.

Vom Spielzeug zur Kunstfigur: die Geschichte der Reborn-Puppe

Die Reborn-Puppe entstand aus dem Wunsch heraus, Puppen realistischer zu gestalten. Bereits im 20. Jahrhundert versuchten Hersteller wie Käthe Kruse, den natürlichen Ausdruck von Kindern einzufangen. In den 1990er Jahren in den USA begannen Künstlerinnen, industriell gefertigte Puppen umzubauen: Sie bemalten sie neu, fügten Haare ein und beschwerten sie – das „Reborning“ war geboren. Die Puppen wurden auf eBay verkauft, später über Foren und spezialisierte Plattformen. Heute existiert weltweit eine Szene aus Künstler:innen, Sammler:innen, Pfleger:innen und Therapeut:innen.

Entwicklung in Etappen

  • 1990er: DIY-Reborning in den USA
  • 2002: erste Verkäufe über eBay
  • ab 2010: internationale Künstler, limitierte Kits
  • heute: Reborns als Kunstobjekte, Therapiehilfen, Internet-Phänomen

Material, Technik, Details: Was macht Reborns besonders

Eine echte Reborn-Puppe ist das Ergebnis sorgfältiger Handarbeit. Sie besteht aus Vinyl oder Silikon, gefüllt mit Glasgranulat, um Gewicht und Gefühl eines Neugeborenen zu simulieren. Die Haut erhält bis zu 30 Farbschichten, die Haare werden einzeln eingestochen. Hochwertige Modelle riechen nach Babyduft, tragen echte Kleidung und besitzen sogar einen Puls oder eine Atmungsfunktion. Jedes Stück ist ein Unikat, oft mit Geburtsurkunde, Name, Gewicht und Länge.

Typische Merkmale

  • Gewicht: 1,5–3,5 kg (gefüllt mit Glasgranulat)
  • Haut: Mehrschichtige Bemalung, sichtbare Adern, Schattierungen
  • Haare: Micro Rooting mit Mohair oder Echthaar
  • Extras: Magnetschnuller, Babyduft, Echtheitszertifikat
  • Kleidung: Handgenähte Babykleidung, Decken, Accessoires

Emotion, Erinnerung, Einfluss: Wer kauft Reborns – und warum

Reborns sind keine Spielzeuge für Kinder. Erwachsene kaufen sie aus emotionalen, therapeutischen oder künstlerischen Gründen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder nach einer Fehlgeburt empfinden Trost. In Pflegeheimen helfen die Puppen Demenzpatienten, sich zu beruhigen oder kommunikativ zu werden. Sammler schätzen die künstlerische Qualität und Individualität. Influencer nutzen sie für virale Videos, andere gestalten ganze Kinderzimmer für ihre Reborns.

Gründe für den Kauf:

  • Trauerverarbeitung (z. B. nach Totgeburt oder Fehlgeburt)
  • Demenz-Therapie in Pflegeeinrichtungen
  • Sammlerleidenschaft & Kunstinteresse
  • Soziale Nähe ohne Verantwortung (Einsamkeit, Autismus)
  • Online-Content (TikTok, YouTube, Instagram)

Beispiele aus der Öffentlichkeit:

  • Courtney Stodden (USA): öffentlich mit Reborn-Baby
  • Katie Price (UK): medienwirksam mit Reborns unterwegs
  • TikTok: Tausende Kanäle zeigen „Baby-Alltag“ mit Puppen

Made in Germany: Die wichtigsten Reborn-Künstlerinnen

Deutschland ist kein Massenmarkt für Reborns – aber ein Qualitätszentrum. Zwei Künstlerinnen prägen die Szene seit Jahren: Petra Lechner aus Bayern und Christina Carmen (alias Carmen Sommer) aus NRW. Beide arbeiten ausschließlich in Handarbeit, verwenden hochwertige Kits und verkaufen ihre Werke weltweit über spezialisierte Plattformen. Ihre Reborns gelten als stilvoll, zurückhaltend und kunstvoll – weit entfernt vom Kitsch.

Petra Lechner – Realistische Tiefe

Lechner war bekannt für ihre ruhigen, weichen Puppen mit natürlicher Hauttextur. Sie nutzte „Real Skin Vinyl“, bemalte in mehreren Schichten und setzte auf sanfte Gesichtsausdrücke.

Details

  • Materialien: Real Skin Vinyl, Glasaugen, Mohair
  • Gewichtung & realistische Finger-/Fußgestaltung
  • Vertriebsplattform: Once So Real
  • Preise: Kits ab 70 €, fertige Puppen ab ca. 180–500 €

Christina Carmen – Ausdruck & Atmosphäre

Carmen spezialisiert sich auf ausdrucksstarke Frühgeborene und limitierte Einzelstücke. Ihre Werke wirken oft melancholisch, fast poetisch – eine emotionale Tiefe durch Hauttextur und Blickrichtung.

Details

  • Techniken: Micro Rooting, Haut mit „Milchschleier-Effekt“
  • Limited Editions: z. B. „Christina“ – 1 of 1
  • Plattform: Once So Real – Profil
  • Preise: 450 – 1.500 €, Auftragsarbeiten auf Warteliste

Preise, Unterschiede, Verfügbarkeit: Was muss man wissen

Reborn-Puppen sind in ihrer Herstellung aufwendig und in ihrer Wirkung emotional. Deshalb bewegen sich hochwertige Modelle in einem entsprechend hohen Preissegment. Preis und Qualität hängen vom Künstler, Material, Aufwand und Limitierung ab. Während günstige Bausätze für Hobby-Reborner ab 70 € erhältlich sind, kosten fertige Sammlermodelle schnell über 1.000 €. In Deutschland gibt es nur wenige Künstler, aber eine loyale Szene.

Preisübersicht:

KategoriePreis
Einsteiger-Kitsab 60–100 €
Reborn von Hobbykünstlernab 200–400 €
Limitierte Künstlerpuppen500–1.500 €
Individuelle Auftragswerkebis 2.500 €+

Bezugsquellen in Deutschland:

  • oncesoreal.com
  • Etsy-Shops deutscher Künstler:innen
  • Puppenmessen (Sonneberg, Essen)
  • Private Auftragsplattformen

Reborn-Puppen sind keine Modeerscheinung, sondern ein stilles Phänomen. Sie sprechen Emotionen an, helfen beim Verarbeiten von Verlust, spenden Nähe und laden zur Fürsorge ein. In Deutschland stehen Künstlerinnen wie Petra Lechner und Christina Carmen für einfühlsame Handwerkskunst – jenseits von Kitsch und Spektakel. Ihre Werke zeigen, dass selbst unbelebte Dinge Trost spenden können. Vielleicht deshalb sind Reborns heute gefragter denn je.

Tabelle: Überblick der Reborn-Welt in Deutschland

AspektBeschreibung
ZielgruppeErwachsene: Sammler, Trauernde, Pfleger
MaterialienVinyl, Silikon, Mohair, Glasgranulat
Preise60 € bis 2.500 €
KünstlerinnenPetra Lechner, Christina Carmen
VerbreitungOnline-Shops, Puppenmessen, Etsy
NutzungTherapie, Kunst, Erinnerung, Social Media

Was einst als Nischenhobby begann, ist heute ein weltweites Phänomen mit therapeutischer, künstlerischer und sozialer Dimension. Reborn-Puppen stehen exemplarisch für das Bedürfnis nach Nähe, Kontrolle und Berührung in einer zunehmend rationalisierten Welt. Während Kritiker von Ersatzhandlungen sprechen, sehen Sammler und Pfleger in ihnen Trostspender und stille Begleiter. Die Nachfrage wächst stetig – nicht nur im privaten Raum, sondern auch in Pflegeeinrichtungen, Ausstellungen und Online-Plattformen.

Gefertigt werden die lebensechten Puppen heute von einer Vielzahl spezialisierter Studios: In den USA dominieren Marken wie Bountiful Baby, Silicone Snuggle Babies und Tru Born, in Kanada ist MacPherson Crafts tonangebend. In Europa gelten Irresistables (UK), Miniladys Nursery (Spanien) und Once So Real (Deutschland) als führende Namen. Einzelkünstler wie Ping Lau, Gudrun Legler, Elisa Marx oder Bonnie Brown liefern weltweit gefragte Designs für limitierte Reborn-Kits. Reborns sind keine Trendprodukte – sie sind eine neue Form des Umgangs mit Emotion.

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