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Merz in Saudi-Arabien: Bringt der Kurswechsel bei Rüstungsexperten die Energie-Wende

Merz in Saudi-Arabien: Bringt der Kurswechsel bei Rüstungsexperten die Energie-Wende

Februar 5, 2026
James Whitmore
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Kronprinz Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien. Themen: Eurofighter-Exporte, Energieabhängigkeit und Menschenrechte

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist am Mittwoch, den 4. Februar 2026, zu einem zweieinhalbstündigen Staatsbesuch in Riad eingetroffen, um mit Kronprinz Mohammed bin Salman über eine strategische Neuausrichtung der deutsch-saudischen Beziehungen zu beraten. Im Zentrum der Gespräche im Yamama-Palast standen die Lockerung der deutschen Rüstungsexportrichtlinien, insbesondere für Großprojekte wie den Eurofighter und die A400M, sowie langfristige Energiepartnerschaften im Bereich des grünen Wasserstoffs und Flüssiggases (LNG). Merz signalisierte ein Ende der bisherigen restriktiven Embargo-Politik, um Deutschland als verlässlichen Sicherheitspartner zu positionieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von US-Energieimporten zu reduzieren. Trotz der wirtschaftlichen Annäherung bleiben die Menschenrechtslage im Königreich und der Einfluss regionaler Konflikte sensible Themen der diplomatischen Agenda. Über den Vorgang berichtet die Renewz.de unter Berufung auf BILD.

Strategische Neuausrichtung der deutschen Rüstungsexporte

Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem Besuch in Riad klargestellt, dass die Bundesregierung unter seiner Führung eine Kehrtwende in der Exportpolitik vollzieht. Während die Vorgängerregierungen seit 2018 aufgrund des Falles Khashoggi ein striktes Embargo für Waffenlieferungen aufrechterhielten, setzt Merz nun auf "Realpolitik".

Deutschland konkurriert hierbei direkt mit den USA und Frankreich um milliardenschwere Aufträge. Saudi-Arabien zeigt seit Jahren Interesse an einer Aufstockung seiner Eurofighter-Flotte. Ein Verbleib Deutschlands in der restriktiven Rolle hätte laut Experten dazu geführt, dass deutsche Unternehmen wie Airbus oder MTU Aero Engines bei künftigen Ausschreibungen systematisch übergangen würden. Die Bundesregierung hofft nun, durch eine "weniger restriktive" Haltung Arbeitsplätze in der heimischen Verteidigungsindustrie zu sichern und geopolitischen Einfluss in der Golfregion zurückzugewinnen.

Energiekooperation: Grüner Wasserstoff und Unabhängigkeit

Ein zentraler Pfeiler der Reise ist die Sicherung der deutschen Energieversorgung. Angesichts der volatilen Weltmärkte sucht Deutschland nach stabilen Partnern abseits der bisherigen Hauptlieferanten. Saudi-Arabien plant im Rahmen seiner "Vision 2030", zum weltweit größten Exporteur von grünem Wasserstoff aufzusteigen.

  • Grüner Wasserstoff: Deutschland benötigt enorme Mengen für die Dekarbonisierung seiner Schwerindustrie (Stahl, Chemie).
  • LNG-Importe: Als Übergangstechnologie spielt saudisches Flüssiggas eine Rolle, um den Energiemix breiter aufzustellen.
  • Investitionen: Saudi-Arabien verfügt über das notwendige Kapital, um in deutsche Infrastrukturprojekte zu investieren, während deutsche Firmen das technologische Know-how für die Wüsten-Solarparks liefern.

Vergleich der deutschen Außenpolitik: Merkel/Scholz vs. Merz

Die folgende Übersicht zeigt die markanten Unterschiede in der Bewertung und Handhabung der Beziehungen zum Königreich Saudi-Arabien.

BereichPolitik bis 2024 (Merkel/Scholz)Politik ab 2025/2026 (Merz)
RüstungsexporteStrikter Stopp (nach Khashoggi-Mord)Fallweise Prüfung, "weniger restriktiv"
PrimärzielWertegeleitete DiplomatieInteressen- und wirtschaftsgeleitet
EnergieFokus auf diversifizierte ImporteStrategische Allianz (Wasserstoff)
MenschenrechteÖffentliche Kritik und DistanzDialog in "kleiner Runde", Fokus auf Handel

Menschenrechte versus Wirtschaftsinteressen

Kritiker werfen dem Kanzler vor, wirtschaftliche Interessen über fundamentale Menschenrechtsstandards zu stellen. Saudi-Arabien steht weiterhin wegen hoher Hinrichtungszahlen und der Verfolgung von Regimekritikern in den sozialen Medien in der Kritik. Merz betonte jedoch, dass er diese Themen in vertraulichen Gesprächen anspricht, statt öffentliche Belehrungen zu erteilen.

Nach saudischen Maßstäben findet unter Kronprinz Mohammed bin Salman eine gesellschaftliche Liberalisierung statt: Frauen dürfen Auto fahren, allein reisen und das kulturelle Leben (Kinos, Konzerte) wurde geöffnet. Für die Bundesregierung scheint dieser graduelle Wandel ausreichend zu sein, um eine vertiefte Partnerschaft zu rechtfertigen, die Deutschland vor allem energetische Sicherheit und lukrative Exportaufträge verspricht.

Handlungsempfehlungen für deutsche Unternehmen

Für Unternehmen, die im Handel mit der Golfregion tätig sind oder dies planen, ergeben sich aus dem Kanzlerbesuch konkrete Schritte:

  1. Markteintritt prüfen: Durch die politische Flankierung durch Merz sinken die bürokratischen Hürden für Hermes-Bürgschaften bei Exportgeschäften nach Saudi-Arabien.
  2. Wasserstoff-Projekte: Firmen im Bereich Erneuerbare Energien sollten die Ausschreibungen für Großprojekte in NEOM und anderen Sonderwirtschaftszonen beobachten.
  3. Compliance-Check: Trotz der Lockerungen müssen Unternehmen weiterhin die Sorgfaltspflichten des Lieferkettengesetzes beachten, insbesondere bei Bauvorhaben vor Ort.
  4. Informationen einholen: Die Außenhandelskammer (AHK) in Riad bietet aktuelle Marktanalysen und Unterstützung bei der Partnersuche an (saudiarabien.ahk.de).

Die Reise von Friedrich Merz markiert das Ende einer Ära der moralisch motivierten Zurückhaltung gegenüber Riad. Für die Bundesrepublik bedeutet dieser Schritt eine Rückkehr zur klassischen Diplomatie, in der nationale Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen vorrangig behandelt werden. Durch die Aufhebung des Waffenembargos und die Forcierung der Energieallianz positioniert sich Deutschland als Akteur, der bereit ist, unbequeme Partnerschaften einzugehen, um die eigene industrielle Basis und die energetische Unabhängigkeit zu schützen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Saudi-Arabien die angebotene Hand aus Berlin mit konkreten Großaufträgen für die deutsche Industrie beantwortet.

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