Linksextreme Gruppe bekennt sich zu Brandanschlag auf Berliner Stromnetz

Linksextreme Aktivisten haben die Verantwortung für einen Brandanschlag übernommen, der am Wochenende die Stromversorgung von zehntausenden Haushalten in Berlin unterbrach, , berichtet Renewz unter Berufung auf The Guardian. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden steht der Anschlag im Zusammenhang mit Protesten gegen die Klimakrise sowie den steigenden Energieverbrauch durch künstliche Intelligenz.
Das Feuer brach in den frühen Morgenstunden des Samstags auf einer Brücke über den Teltowkanal im Südwesten der Hauptstadt aus. In der Nähe des Heiz- und Kraftwerks Lichterfelde wurden mehrere Hochspannungskabel beschädigt. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin erklärte, dass bis zu 35.000 Haushalte sowie rund 1.900 Unternehmen zeitweise ohne Strom und in vielen Fällen auch ohne Wärmeversorgung geblieben seien. Die vollständige Wiederherstellung könne sich bis zum 8. Januar hinziehen.
Bekennerschreiben der Vulkangruppe
Während die Staatsschutzbehörden Ermittlungen zur Brandursache einleiteten, bekannte sich die Vulkangruppe zu dem Anschlag. In einer rund 2.500 Wörter umfassenden Schrift, die von den Sicherheitsbehörden als glaubwürdig eingestuft wurde, erklärte die Gruppierung, gezielt wohlhabende Stadtteile Berlins angegriffen zu haben. Ziel sei es gewesen, der sogenannten herrschenden Klasse die Energieversorgung zu entziehen.
In dem Schreiben verurteilte die Gruppe den hohen Energieverbrauch fossiler Brennstoffe mit hohen Emissionen und bezeichnete den Anschlag als Handlung im öffentlichen Interesse sowie als Akt der Selbstverteidigung und internationalen Solidarität. Zudem kritisierte sie den wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, die nach Ansicht der Gruppe den Klimawandel beschleunigten und neue gesellschaftliche Risiken schafften.
Kritik an Technologie und Energieverbrauch
Die Vulkangruppe erklärte, dass digitale Technologien zur umfassenden Überwachung beitrügen und große Technologiekonzerne zunehmend Macht anhäuften. In ihrer Botschaft warnte sie vor einer Zukunft, in der Menschen von Maschinen abhängig seien, während grundlegende Ressourcen knapper würden. Die Aktivisten äußerten Bedauern über die Auswirkungen auf einkommensschwächere Betroffene, erklärten jedoch, ihr Mitgefühl für wohlhabende Eigentümer sei begrenzt.

Auswirkungen auf Bevölkerung und Infrastruktur
Vom Stromausfall betroffen waren unter anderem Altenpflegeeinrichtungen, Krankenhäuser sowie Hochhäuser, in denen Aufzüge außer Betrieb waren. Die Lage wurde durch winterliche Witterung erschwert: In Berlin fiel am Wochenende Schnee, während die nächtlichen Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt sanken.
Da zeitweise auch Mobilfunknetze ausfielen, informierte die Polizei die Bevölkerung mithilfe von Lautsprechern an Einsatzfahrzeugen und unterstützte besonders betreuungsbedürftige Personen. Mehrere regionale Bahnverbindungen mussten unterbrochen werden. Zudem war unklar, ob Schülerinnen und Schüler wie geplant nach den Ferien in den Präsenzunterricht zurückkehren konnten.
Politische Reaktionen und Ermittlungen
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner erklärte, er gehe von einem politischen Motiv für den großflächigen Stromausfall aus. Sicherheitsexperten verwiesen darauf, dass der Anschlag Merkmale früherer Taten aus dem linksextremen Spektrum aufweise. Während eines Besuchs in einer Notunterkunft bezeichnete Wegner Angriffe auf die Energieinfrastruktur als inakzeptabel, da sie Menschenleben gefährdeten.
Zunächst waren auch Spekulationen über mögliche ausländische Sabotage aufgekommen, da Deutschland verstärkt vor Angriffen auf kritische Infrastruktur warnt. Diese Annahmen traten jedoch in den Hintergrund, nachdem sich die Vulkangruppe öffentlich zu der Tat bekannte.
Frühere Anschläge und Einschätzung der Sicherheitsbehörden
Bereits im September hatte ein mutmaßlich linksextremer Brandanschlag im Südosten Berlins einen 60-stündigen Stromausfall verursacht, der als der längste seit dem Zweiten Weltkrieg gilt. Im März 2024 reklamierte die Vulkangruppe zudem einen Brandanschlag auf einen Strommast nahe der Tesla-Gigafactory bei Berlin, der zu einem vorübergehenden Produktionsstopp führte.
Der deutsche Verfassungsschutz führt die Vulkangruppe als linksextremistische Organisation. In seinem Bericht für das Jahr 2024 verwies der Inlandsgeheimdienst auf wiederholte Angriffe der Gruppe auf das regionale Stromnetz. Die Organisation, die nach Einschchätzung der Behörden seit etwa 14 Jahren aktiv ist, wähle ihre Ziele wegen der spürbaren Auswirkungen auf die Bevölkerung und nehme langwierige Reparaturen sowie mögliche Folgeschäden in Kauf.
Stand der Wiederherstellung
Stromnetz Berlin teilte mit, dass zu Beginn des Stromausfalls gegen 6 Uhr am Samstag rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen gewesen seien. Bis Sonntagmittag konnte die Versorgung von etwa 10.000 Haushalten und 300 Betrieben in Lichterfelde wiederhergestellt werden.
Die anhaltend niedrigen Temperaturen erschwerten jedoch die Arbeiten an neuen Erdkabeln. Nach Angaben des Netzbetreibers könnten die verbleibenden Haushalte erst bis Donnerstag wieder vollständig mit Strom und Wärme versorgt werden. Die Reparaturteams seien weiterhin im Dauereinsatz.
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