Deutschland eröffnet LNG-Terminal Wilhelmshaven 2 für sichere Energieversorgung

Deutschland nimmt am 29. August offiziell den kommerziellen Betrieb seines zweiten Importterminals für Flüssigerdgas (LNG) im Hafen von Wilhelmshaven auf. Dies bestätigte der staatliche Betreiber Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) am Donnerstag in Frankfurt. Mit dem Schritt will das Land seine Energieversorgung breiter aufstellen und unabhängiger von früheren Pipeline-Lieferungen aus Russland werden, berichtet Renewz.de unter Berufung auf Reuters.
Hintergrund: Abkehr vom russischen Gas
Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 hat Deutschland seine Importstrategie grundlegend verändert. Statt wie bisher auf Gaslieferungen aus Russland zu vertrauen, setzt die Bundesregierung verstärkt auf Flüssigerdgas aus Übersee sowie auf zusätzliche Pipelineimporte aus Norwegen. LNG gilt als Brückentechnologie, um kurzfristig Versorgungslücken zu schließen, bis erneuerbare Energien in ausreichender Menge verfügbar sind. Der Standort Wilhelmshaven spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er über direkten Zugang zur Nordsee und eine bestehende Anbindung an das deutsche Gasnetz verfügt.
- 2022: Beginn der Abkehr von russischem Pipelinegas
- 2023–2024: Aufbau erster schwimmender Terminals in Deutschland
- 2025: Inbetriebnahme des zweiten Terminals in Wilhelmshaven
- Importländer: USA, Katar, Nigeria
- Ergänzung: Steigende Pipelineimporte aus Norwegen
Technische Ausstattung und Betrieb
Die Anlage in Wilhelmshaven 2 basiert auf einer schwimmenden Speichereinheit und Wiederverdampfungseinheit (FSRU) namens „Excelsior“, die LNG in Gas umwandelt und direkt ins deutsche Netz einspeist. Bereits seit Mai 2025 liefen umfangreiche Tests der Ausrüstung, die nun erfolgreich abgeschlossen wurden. Besonderheit des Terminals ist die Möglichkeit zur subsea-Übertragung des Gases zu einer Landstation, was den ökologischen Fußabdruck reduziert. Laut Peter Roettgen, Geschäftsführer von DET, wird der Terminal ab sofort einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und dabei helfen, die Gasspeicher vor der Heizsaison zu füllen.
Technische Eckdaten (Stand 2025):
Einheit | Wert 2025 | Prognose 2026/27 |
---|---|---|
Eingespeistes Gasvolumen | 1,9 Mrd. m³ | bis zu 4,6 Mrd. m³ |
Haushaltsäquivalent | 1,5 Mio. Wohnungen | über 3 Mio. |
Betreiber der FSRU | Excelerate Energy (USA) | bleibt unverändert |
Laufende Tests abgeschlossen | Mai–Aug 2025 | – |
Beteiligte Unternehmen und Partner
Der Betrieb des Terminals verteilt sich auf mehrere internationale Partner. Während die FSRU „Excelsior“ im Besitz des US-Unternehmens Excelerate Energy ist, übernimmt die Deutsche Energy Terminal GmbH die Vermarktung der Regasifizierungskapazitäten. Im Juli 2025 wurden alle verfügbaren Slots für 2025 und 2026 vollständig an Marktteilnehmer vergeben. Für das lokale Management ist die deutsche Gasfin Services zuständig, während die litauische KN Energies die kommerzielle und technische Wartung übernimmt. Damit ist das Projekt auch ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit in der europäischen Energieinfrastruktur.
- Excelerate Energy: Eigentümer und Betreiber des Schiffs
- Deutsche Energy Terminal: Vermarktung und Netzmanagement
- Gasfin Services: Lokale Koordination
- KN Energies (Litauen): Technische Wartung
- Deutsche Regierung: Politische Unterstützung und Finanzierung
Bedeutung für Verbraucher und Energiesicherheit
Das neue Terminal kann im Jahr 2025 etwa 1,9 Milliarden Kubikmeter Gas ins Netz einspeisen – genug, um rund 1,5 Millionen Vier-Personen-Haushalte in Mehrfamilienhäusern mit Heizenergie zu versorgen. Ab 2026 soll diese Kapazität auf 4,6 Milliarden Kubikmeter steigen. Damit wird das Terminal nicht nur die regionale Versorgung stärken, sondern auch einen Beitrag zur Stabilisierung der Gaspreise leisten. Für Verbraucher bedeutet dies mehr Sicherheit bei möglichen Energieengpässen. Kritiker weisen jedoch auf die höheren Kosten von LNG im Vergleich zu Pipelinegas hin. Dennoch gilt Wilhelmshaven 2 als ein entscheidender Schritt, um Deutschlands Energieversorgung robuster und unabhängiger zu gestalten.
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