Eis-Chaos auf der Elbe: Riesige Barrieren türmen sich bei Geesthacht auf

An der Elbe bei Geesthacht, südöstlich von Hamburg, spielt sich derzeit ein außergewöhnliches Naturereignis ab, das den Flussverkehr zum Erliegen gebracht hat. Riesige Eisschollen schieben sich mit gewaltiger Kraft übereinander und bilden Barrieren, die an einigen Stellen eine Höhe von bis zu zehn Metern erreichen. Obwohl in der Region bereits Tauwetter eingesetzt hat, bleibt die Lage äußerst brisant, da das Eis teilweise vom Grund des Flusses bis weit über die Wasseroberfläche reicht. Um die Passierbarkeit der Elbe wiederherzustellen, befindet sich eine Flotte von sechs Eisbrechern im unermüdlichen Dauereinsatz gegen die gefrorenen Massen, berichtet die Redaktion Renewz mit Verweis auf die BILD.
Fatale Kombination aus Frost und Niedrigwasser
Andreas Schultz, Leiter der Spezialschiff-Flotte beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), bezeichnet die aktuelle Situation als beispiellos. Ursache für die massiven Eisberge war eine tückische Wetterkonstellation am vergangenen Wochenende: Extreme Temperaturen von bis zu minus 10,8 Grad trafen auf einen extrem niedrigen Wasserstand. Der Abfluss der Elbe lag zeitweise bei nur 300 Kubikmetern pro Sekunde – etwa 200 Kubikmeter zu wenig, um das Eis natürlich abfließen zu lassen. Dies führte zur Bildung von sogenanntem Grundeis am Boden des Flusses, das aufstieg und die Oberfläche vollständig zusetzte.
Eisbrecher „Keiler“ im 24-Stunden-Einsatz
Um die Blockade zu brechen, setzt das WSA unter anderem auf den PS-starken XXL-Eisbrecher „Keiler“. Das 1100 PS starke Spezialschiff nutzt eine besondere Technik, bei der es auf die Eisbarrieren auffährt, um sie durch sein Eigengewicht zu zertrümmern. Trotz des massiven Einsatzes rund um die Uhr sind die Eismassen aufgrund ihrer Dichte und Höhe nur schwer zu bändigen. Während die Schifffahrt ruht, hat sich die Elbbrücke Geesthacht zu einem Magneten für Schaulustige entwickelt. Menschenmengen am Ufer und langsam fahrende Autofahrer, die Fotos der bizarren Eislandschaft machen, führen regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen und Staus auf der Verbindung nach Niedersachsen.

Ausblick: Neue Frostwelle gefährdet Räumungsarbeiten
Die Zeit für die Bergungscrews drängt, denn die Wetterprognosen verheißen keine dauerhafte Entspannung. Bereits für die laufende Woche wird neuer Frost vorhergesagt, und gegen Ende des Monats könnte eine weitere Kältewelle mit zweistelligen Minusgraden Deutschland erreichen. Sollte der Wasserabfluss nicht signifikant steigen, droht die Elbe erneut komplett zuzufrieren, was die bisherigen Räumungserfolge der Eisbrecher-Flotte zunichtemachen könnte.
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