AfD gründet Jugendorganisation GD in Gießen – Massenproteste und Gewalt begleiten Event

Die Neugründung der AfD-Jugendorganisation, die den Namen Generation Deutschland (GD) trägt, hat am Samstag in Gießen zu massiven Gegenprotesten geführt. Während die Gründungsversammlung in den Messehallen stattfand, versammelten sich Zehntausende Menschen in der mittelhessischen Stadt mit ihren rund 92.000 Einwohnern, um ein Zeichen gegen die Alternative für Deutschland zu setzen. Die Kundgebungen verliefen überwiegend friedlich, es kam jedoch an mehreren Stellen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und den Einsatzkräften. Die Polizei verhinderte unter anderem den Sturm auf den Veranstaltungsort und setzte mehrmals Wasserwerfer ein, um Blockaden aufzulösen. Die Polizei bezifferte die Zahl der Demonstranten bis zum späten Nachmittag auf über 25.000, während das Bündnis „Widersetzen“ von mehr als 50.000 Teilnehmern sprach, berichtet Renewz.de mit Verweis auf die Вadische zeitung.
Die Veranstaltung selbst begann erst mit einer Verzögerung von mehr als zwei Stunden. Grund dafür waren gezielte Blockaden mehrerer Zufahrtsstraßen in der Umgebung von Gießen, die Aktivisten seit dem frühen Morgen organisiert hatten, um die Anreise der rund 1.000 AfD-Delegierten zu verhindern. Auch die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla trafen verspätet ein und verurteilten die Protestaktionen scharf. Weidel betonte die strategische Bedeutung der GD als „Kaderschmiede für die Regierungsverantwortung“. Die Organisation soll fähigen Nachwuchs für die Mutterpartei ausbilden, insbesondere mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im kommenden Jahr. Die GD, die die frühere Junge Alternative ablöst, soll durch eine neue Satzung stärker an die Partei gebunden sein. Die Mitgliedschaft (für unter 36-Jährige) steht in der Regel nur noch AfD-Mitgliedern offen, was eine bessere Ahndung von Regelverstößen bis hin zum Parteiausschluss ermöglichen soll.
Der Polizeieinsatz, der Tausende Beamte aus 15 Bundesländern umfasste und als einer der größten in der Geschichte Hessens galt, war von Gewaltbereitschaft aufseiten mehrerer Hundert Demonstranten überschattet. Bis zum Abend wurden zehn Polizisten leicht verletzt; eine finale Zahl steht noch aus. Das Universitätsklinikum Gießen-Marburg meldete bis zum Nachmittag etwa 15 leicht verletzte Gegendemonstranten, die ambulant behandelt wurden. Zu den schwerwiegenderen Vorfällen zählte der Angriff auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Julian Schmidt, der nach eigenen Angaben von etwa 20 Personen attackiert wurde, als er sein Auto in der Nähe der Messehallen parkte. Schmidt erlitt blaue und rote Flecken an Nase und Jochbein. Die Polizei bestätigte die Verletzung eines AfD-Abgeordneten und die Festnahme eines mutmaßlichen Täters.
Aktivisten blockierten zeitweilig Bundesstraßen, darunter die B49 und die B429, wobei rund 2.000 Personen die B49 besetzten. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern, um die Straßen freizumachen, nachdem die Aufforderungen zur Räumung ignoriert wurden. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke wurden Beamte mit Flaschen beworfen, und nahe der Messehallen wurden die Sicherheitskräfte mit Leuchtspurmunition beschossen. Zudem musste sich die Polizei an einer Blockadestelle mit Pfefferspray gegen Steinewerfer verteidigen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die Eskalation der Gewalt als eine Auseinandersetzung zwischen „ganz links und ganz rechts“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) würdigte die Arbeit der Polizei, die das Grundrecht auf Versammlung und Protest sicherte, betonte aber seinen „größten Respekt“ für die Beamten angesichts der Angriffe von Vermummten und Chaoten mit Bengalos und Fackeln. Das Bündnis „Widersetzen“ feierte die Aktionen zivilen Ungehorsams, an denen rund 15.000 Menschen beteiligt waren, als „riesigen Erfolg“, da Zufahrten zum AfD-Kongress versperrt wurden. Die größte friedliche Kundgebung am Morgen wurde vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert und zählte rund 20.000 Teilnehmer.
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