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Wie ein Großbrand den UN-Klimagipfel in Brasilien lahmlegte – 13 Verletzte

Wie ein Großbrand den UN-Klimagipfel in Brasilien lahmlegte – 13 Verletzte

November 21, 2025
Monika Schmidt
Großbrand auf der COP30 in Belém stoppt den UN-Klimagipfel: 13 Verletzte, komplette Evakuierung, Ermittlungen zu möglichem Generator-Defekt. Hintergrund zum Sammit und zur Agenda.

Belém, 21. November 2025 — Ein Großbrand hat am Donnerstag den UN-Klimagipfel COP30 im brasilianischen Belém weitgehend lahmgelegt. Das Feuer brach am 20. November in einem der provisorischen Pavillons aus, erfasste mehrere Zeltstrukturen und führte zu einer stundenlangen Evakuierung des gesamten Konferenzgeländes. 13 Menschen erlitten Rauchvergiftungen, die Verhandlungen mussten vollständig unterbrochen werden. Darüber berichtet Renewz unter Berufung auf АР.

Wie es zum Feuer kam

Nach Angaben des brasilianischen Tourismusministers Celso Sabino brach das Feuer in unmittelbarer Nähe des chinesischen Pavillons aus. Dort standen mehrere technisch ausgestattete Zelte für parallele Veranstaltungen. Videoaufnahmen zeigen, wie sich Flammen entlang der Stoffkonstruktionen in Richtung afrikanischer Pavillons sowie der Zone Climate Live Entertainment + Culture ausbreiten.

Zeugen berichten, dass sich das Feuer aufgrund der leichten Baumaterialien extrem schnell entwickelte. Samuel Rubin, der sich zu diesem Zeitpunkt im Bereich der Kulturpavillons befand, erklärte, dass mehrere Zeltmodule „wie gleichzeitig“ in Brand geraten seien. Erste Hinweise deuten auf einen technischen Defekt an einem Generator oder auf ein Kurzschluss in einer Versorgungsbox hin.

Unfertige Infrastruktur im Fokus

Schon zu Beginn der COP30 hatten Delegierte über unvollständige Bauarbeiten geklagt. Teile der Wege führten ins Leere, provisorische Bodenplatten wackelten, und selbst während der Reden internationaler Vertreter waren Baulärm und Arbeiten zu hören. Dass sich die Bauverzögerungen nun mit einem technischen Zwischenfall verbinden, sorgt für neue Kritik an der Organisation.

Die Freiwillige Gabi Andrade, die im Akkreditierungsbereich arbeitete, schilderte eine dramatische Szene: Sie habe in ihrem freien Moment schwarzen Rauch gesehen, bevor Sicherheitskräfte sie aus dem Gefahrenbereich zogen. „Ich habe geschrien und geweint. Wir haben so viel gearbeitet, und dann passiert so etwas“, sagte sie.

Evakuierung und Neustart nach sieben Stunden

Die Feuerwehr ordnete die sofortige Räumung des gesamten Konferenzareals an. Viele Delegierte mussten persönliche Gegenstände, Laptops oder Unterlagen zurücklassen. Erst am Abend wurde die Fläche teilweise wieder freigegeben. Während einige Teams ihre Gespräche fortsetzten, kamen andere lediglich zurück, um ihre Materialien abzuholen.

Die zerstörten Pavillons wurden abgesperrt, und die Sicherheitskräfte erhöhten die Kontrollen im verbleibenden funktionsfähigen Teil des Geländes.

Ein Zwischenfall zum sensiblen Zeitpunkt

Der Brand ereignete sich, während die Gespräche ohnehin nur langsam vorankamen. Bis zum Zeitpunkt des Feuers hatten die Delegierten keine wesentlichen Durchbrüche verkündet. Die Gastgebernation Brasilien setzte große Hoffnungen in die COP30, um sich als globaler Klimapolitik-Motor zu präsentieren. Die Panne trifft das Land daher zu einem politisch heiklen Zeitpunkt und verstärkt Kritik an der Vorbereitung der Konferenz. Die Organisatoren bestätigten jedoch, dass der Gipfel planmäßig fortgeführt und die Abschlusserklärung wie vorgesehen vorbereitet werde.

Hintergrund: Was ist die COP30 – und warum ist der Gipfel in Belém so bedeutend

Die COP30 ist die 30. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) – das wichtigste jährliche globale Forum zur internationalen Klimapolitik. Die Konferenz findet jedes Jahr in einem anderen Land statt und bringt fast alle Staaten der Welt zusammen. Organisiert wird sie unter Aufsicht des UN-Klimasekretariats in Bonn.

Ort: Warum Belém?

Zum ersten Mal seit Bestehen der Klimakonferenzen richtet Brasilien eine COP aus. Die Wahl fiel auf Belém, die Hauptstadt des Bundesstaates Pará, da die Region als Tor zum Amazonasgebiet gilt. Der Amazonas spielt eine zentrale Rolle für das globale Klima:

  • er bindet enorme Mengen CO₂,
  • beeinflusst weltweite Niederschlagsmuster,
  • ist durch Abholzung und Brände besonders gefährdet.

Brasilien wollte mit der Auswahl des Ortes ein sichtbares politisches Signal setzen: mehr Schutz des Regenwaldes und stärkere Beteiligung indigener Gemeinschaften.

Welche Themen stehen bei der COP30 auf der Agenda

Die COP30 sollte zu den strategisch wichtigsten Konferenzen seit Paris 2015 werden. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem:

  • Überarbeitung der nationalen Klimaziele (NDCs) bis 2035
  • ein globaler Ausstiegspfad aus fossilen Energien
  • Ausbau der Klimafinanzierung für ärmere Länder
  • ein Finanzplan für den Loss-and-Damage-Fonds
  • Schutzprogramme für Amazonas-Ökosysteme
  • Kontrolle der Emissionen durch Industrie, Schifffahrt und Energieerzeuger

Viele Verhandler bezeichneten den Gipfel schon vor Beginn als „entscheidend für die globale Klimakurve der nächsten Dekade“.

Was geschah in den Tagen vor dem Brand

Die Tage vor dem Vorfall waren von zähen technischen und politischen Verhandlungen geprägt.

  • Die EU drängte auf ein verbindliches Ausstiegsdatum für Kohle, Öl und Gas.
  • Indien und einige rohstoffreiche Staaten lehnten ein solches Datum ab und forderten „flexiblere Formulierungen“.
  • Mehrere afrikanische Staaten verlangten eine Erhöhung der Klimafinanzierung um mindestens 100 Milliarden Dollar jährlich.
  • Brasilien präsentierte ein ambitioniertes Programm zur Wiederaufforstung des Amazonas bis 2030.
  • NGOs warnten vor steigenden Emissionen aus Landwirtschaft und Bergbau.

Bis zum Tag des Feuers war keiner der zentralen Streitpunkte gelöst, und es gab keine Entwürfe für eine endgültige politische Einigung.

Historischer Kontext

Die COP30 steht zeitlich genau zehn Jahre nach der Annahme des Pariser Klimaabkommens (2015).
Für das Jahr 2025 sind die Staaten verpflichtet:

  • aktualisierte nationale Klimapläne einzureichen,
  • erstmals langfristige Strategien bis 2050 vorzulegen,
  • ihre Emissionspfade an das 1,5-Grad-Ziel anzupassen.

Dadurch gilt die COP30 als „Wendemarke“, an der sich entscheidet, ob das 1,5-Grad-Ziel überhaupt noch erreichbar ist.

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